Nach Razzia bei der Deutschen Bank: Verteidigerriege formiert sich
Nach der Durchsuchung der Deutschen Bank wurden nun einige Strafverteidiger der Beschuldigten bekannt. Im Fokus der Razzia standen Cum-Cum-Geschäfte der 2009 übernommenen Postbank aus den Jahren 2008 bis 2010.

Die Ermittler der Zentral- und Ansprechstelle für die Verfolgung von Wirtschafts- und Finanzkriminalität (ZeFin) und des Landesamts zur Bekämpfung der Finanzkriminalität (LBF NRW) suchten bei der Deutschen Bank in der vergangenen Woche nach Belegen zu fragwürdigen Steuerdeals der Postbank, die unter dem Projektnamen „Riesling“ firmierten. Die Deutsche Bank ist nach eigenen Angaben als Drittpartei betroffen. Nach Informationen von „Die Welt“ und „Business Insider“, die zuerst berichteten, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ehemalige Topmanager der Postbank wegen des Vorwurfs der gemeinschaftlichen Steuerhinterziehung. Einer der Beschuldigten soll aus den obersten Etagen der Deutschen Bank kommen. Die Beschuldigten sollen dafür verantwortlich sein, dass die Postbank zwischen 2008 und 2010 falsche oder unvollständige Körperschaftsteuererklärungen abgegeben hat. Der Schaden wird auf rund 367 Millionen Euro beziffert. Die Ermittler werfen den ehemaligen Verantwortlichen vor, systematisch Dokumente vorenthalten und unvollständige Angaben in Steuererklärungen gemacht zu haben. Viele kleine Banken beteiligtBei Cum-Cum-Geschäften werden wie bei Cum-Ex Aktien rund um den Dividendenstichtag gehandelt, um dem Fiskus Steuern vorzuenthalten oder zu hohe Erstattungen zu erlangen. Bei Cum-Cum nutzen die Aktienhändler aus, dass die Besteuerung für Steuerinländer bis 2013 niedriger war als für Steuerausländer. Anders als bei Cum-Ex waren an Cum-Cum auch häufig kleinere Banken wie Volksbanken oder Sparkassen beteiligt. Eine Abfrage der BaFin zwischen Dezember 2025 und März 2026 ergab, dass potenziell 54 Kreditinstitute, 18 Versicherer und drei Fondsgesellschaften an den Deals beteiligt waren. Die Deutsche Bank galt lange als Randfigur in diesem Komplex. Recherchen von SZ und WDR zeigten im Frühjahr allerdings, dass Deutschlands größtes Geldhaus womöglich auch im größeren Stil an Cum-Cum-Geschäften mitgewirkt hat. Die Vertreter im ÜberblickVertreter Deutsche BankFeigen Graf(Frankfurt): Dr. Bernd Groß, Dr. Moritz Lange (beide Strafrecht)Hengeler Mueller: Dr. Sebastian Adam (Frankfurt), Dr. Markus Ernst (München; beide Steuerrecht)Weitere Vertreter:Dierlamm(Wiesbaden): Prof. Dr. Alfred Dierlamm (Strafrecht)Knauer(München): Prof. Dr. Christoph Knauer (Strafrecht)MGR(Frankfurt): Dr. Gina Greeve (Strafrecht)Redeker Sellner Dahs(Bonn): Dr. Daniel Neuhöfer, Dr. Lukas Schefer (beide Strafrecht)Ufer Scharf(München): Dr. Florian Ufer (Strafrecht)Hintergrund: Alle Vertreter sind aus dem Markt bekannt, wobei noch nicht alle Beschuldigten mit Strafrechtlern gerüstet sein sollen. Vonseiten der Staatsanwaltschaft ist Dr. Alexander Kustermann zuständig, der bis Anfang 2024 bei VBB in Düsseldorf tätig war. Bei der Deutschen Bank ist seit Sommer vergangenen Jahres die Strafrechtsexpertin Dr. Simone Kämpfer als General Counsel am Ruder. Sie kam von Freshfields und löste bei der Deutschen Bank Dr. Friederike Rotsch ab, die dort seit September 2023 die Position inne hatte.