FinanzenBlatt

Risikofragebogen bei der Bank: Diese fünf Fragen fehlen – und kosten Sie bares Geld

Fehmarnsches TageblattWirtschaftStand:04. 08. 2026, 11:28 UhrKommentareRisikofragebogen © IMAGO / Ikon ImagesBanken sind verpflichtet, das Risikoprofil ihrer Kundinnen zu ermitteln. Was dabei gefragt wird, und. . .

· 7 min Lesezeit

Risikofragebogen bei der Bank: Diese fünf Fragen fehlen – und kosten Sie bares Geld

Fehmarnsches TageblattWirtschaftStand:04. 08. 2026, 11:28 UhrKommentareRisikofragebogen © IMAGO / Ikon ImagesBanken sind verpflichtet, das Risikoprofil ihrer Kundinnen zu ermitteln. Was dabei gefragt wird, und was nicht, entscheidet über die Qualität der Empfehlung. Wer bei einer Bank ein Depot eröffnet oder eine Anlageberatung in Anspruch nimmt, füllt einen Fragebogen aus. Das ist gesetzlich vorgeschrieben. Seit der EU-Richtlinie MiFID II aus dem Jahr 2018 müssen Banken die Anlageziele, die finanzielle Situation und die Risikobereitschaft ihrer Kundinnen ermitteln, bevor sie eine Empfehlung aussprechen. Content-PartnerschaftIm kostenlosen Webinarerfahren Anlegerinnen in 75 Minuten, welche Faktoren für ihr persönliches Risikoprofil entscheidend sind. Dazu gehören ihre finanziellen Ziele, ihr Anlagezeitraum, ihre finanzielle Situation und ihre tatsächliche Reaktion auf Verluste. Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit mitFortunalistaentstanden. Die Finanzbildungsplattform vermittelt Frauen das Wissen, das sie brauchen, um Risiken selbst besser einzuschätzen und Anlageentscheidungen bewusster zu treffen. Jetzt kostenlos zum Webinar anmeldenWas gut klingt, ist es in der Theorie auch. Was in der Praxis daraus wird, ist eine andere Geschichte. „Der Risikofragebogen ist ein regulatorisches Pflichtprogramm“, sagt Margarethe Honisch, Finanzexpertin und Gründerin von Fortunalista. „Was er nicht ist, ist ein Garant für gute Beratung. Was er nicht fragt, ist meistens genauso wichtig wie was er fragt. “Was ein Risikofragebogen typischerweise fragtDie meisten Risikofragebögen bei Banken folgen einem ähnlichen Muster. Was dabei abgefragt wird, lässt sich in vier Bereiche einteilen. Finanzielle Situation. Einkommen, Ausgaben, Vermögen, Schulden. Was dabei erhoben wird, ist eine Momentaufnahme der wirtschaftlichen Lage. Anlageziele. Was soll mit der Investition erreicht werden? Kapitalerhalt, Wachstum, regelmäßige Ausschüttungen?Anlagehorizont. Wie lange soll das Geld investiert bleiben? Unter drei Jahre, drei bis fünf Jahre, über zehn Jahre?Risikobereitschaft. Wie würde auf einen Kursverlust von 20 Prozent reagiert? Mit Panik, mit Gelassenheit, mit Freude über günstigere Nachkaufmöglichkeiten?Was dabei auf den ersten Blick sinnvoll aussieht, hat in der Praxis erhebliche Lücken. Was der Fragebogen nicht fragtHier liegt das eigentliche Problem. Was ein Risikofragebogen typischerweise nicht fragt, ist mindestens genauso wichtig für eine gute Anlageentscheidung. Welche konkreten Ziele stehen hinter der Investition?Was viele Fragebögen als Ziel abfragen, sind abstrakte Kategorien. Kapitalerhalt. Wachstum. Ausgewogen. Was dabei fehlt, ist die konkrete Frage dahinter. Wofür genau soll das Geld arbeiten? Altersvorsorge, Hauskauf, finanzielle Unabhängigkeit, Absicherung der Kinder? Was das Ziel konkret ist, beeinflusst, welche Strategie wirklich passt. Was abstrakte Kategorien abfragen, liefert abstrakte Empfehlungen. Wie viel des Gesamtvermögens wird investiert?Was ein Risikofragebogen meistens nicht fragt: Wie viel Prozent des Gesamtvermögens soll investiert werden?Wer 10. 000 Euro investiert und gleichzeitig 200. 000 Euro auf dem Tagesgeldkonto hat, trägt ein anderes Risiko als wer dieselben 10. 000 Euro investiert und das gesamte Ersparnis dieser Summe ist. Beide füllen denselben Fragebogen aus. Was dabei unterschiedlich sein müsste, ist die Empfehlung. Was bisherige Erfahrungen mit Verlusten gezeigt haben. Was viele Fragebögen fragen: Wie würden Sie reagieren, wenn Ihr Depot 20 Prozent verliert?Was dabei nicht gefragt wird: Hat das schon einmal passiert? Und was haben Sie tatsächlich getan?Was jemand in einer hypothetischen Situation sagt, entspricht meistens nicht dem, was in der realen Situation passiert. Was eine Person, die 2008 in der Finanzkrise investiert war und verkauft hat, über ihre echte Risikobereitschaft weiß, ist mehr als jede Antwort auf einen Fragebogen. Was die Lebenssituation in den nächsten Jahren verändern könnte. Was ein Risikofragebogen fast nie fragt: Was steht in den nächsten Jahren an?Wer in drei Jahren ein Kind erwartet, in fünf Jahren Elternzeit plant oder in zehn Jahren die Eltern unterstützen muss, hat eine andere Liquiditätssituation als die heutigen Zahlen zeigen. Was der Fragebogen als Anlagehorizont von zehn Jahren einträgt, kann sich durch Lebensveränderungen auf zwei Jahre reduzieren. Ob das empfohlene Produkt wirklich verstanden wird. Was nach dem Fragebogen meistens passiert: Eine Empfehlung. Ein Produktinformationsblatt. Eine Unterschrift. Was dabei selten passiert: Die Frage, ob das empfohlene Produkt wirklich verstanden wurde. Was eine Kundin, die nicht versteht, was sie kauft, auch nicht versteht, ist, was sie kaufen sollte. Wie der Fragebogen das Ergebnis beeinflusstWas dabei auffällt, wenn die Struktur von Risikofragebögen analysiert wird: Die Antworten beeinflussen nicht nur die Empfehlung. Sie beeinflussen auch, welche Produkte überhaupt angeboten werden dürfen. Was dabei entsteht, ist ein System, das Produkte nach Risikokategorie sortiert und Kundinnen einer dieser Kategorien zuordnet. Was dabei verloren geht, ist die individuelle Situation. Wer als konservativ eingestuft wird, bekommt konservative Produkte empfohlen. Was konservative Produkte meistens bedeuten: niedrigere Rendite, aber nicht zwingend niedrigere Gebühren. Was dabei nicht gefragt wird: Ist konservativ wirklich das Richtige für diesen Anlagehorizont und dieses Ziel?Was eine 35-jährige Frau, die für die Altersvorsorge investiert und dreißig Jahre Zeit hat, als konservativ eingestuft bekommt, ist eine Empfehlung, die zu einem falschen Ergebnis führt. Was dreißig Jahre Zeit erlaubt, ist ein höherer Aktienanteil, der langfristig mehr Rendite erzielt. Was der Fragebogen als konservativ kategorisiert hat, kostet über dreißig Jahre erhebliche Rendite. Was gut gemeinte Fragebögen trotzdem leistenWas dabei nicht gesagt werden soll: Risikofragebögen sind sinnlos. Was sie leisten, ist eine Grundstruktur. Was sie verhindern sollen, sind grob falsche Empfehlungen. Wer kurzfristig Geld braucht, sollte nicht in volatile Aktien investieren. Wer sich keinen Verlust leisten kann, sollte kein Hochrisikoprotfolio kaufen. Was der Fragebogen dabei leistet, ist ein Mindestschutz. Was er nicht leistet, ist eine tiefe, individuelle Beratung, die alle relevanten Fragen stellt und alle relevanten Lebensfaktoren einbezieht. „Ein Fragebogen ist ein Werkzeug“, betont Margarethe Honisch. „Was er misst, ist ein grober Umriss. Was eine gute Beratung braucht, ist mehr als ein Umriss. Es braucht ein Gespräch. “Was eine gute Beratung über den Fragebogen hinaus leisten sollteWas dabei erkennbar ist, ob eine Beratung wirklich gut ist, sind fünf Merkmale. Konkrete Ziele werden erfragt. Nicht abstrakte Kategorien. Was wirklich erreicht werden soll, wann und warum. Die Gesamtsituation wird betrachtet. Nicht nur das Kapital, das investiert werden soll. Sondern die gesamte finanzielle Situation, einschließlich anderer Konten, Versicherungen, Schulden und geplanter Ausgaben. Lebensveränderungen werden einbezogen. Was in den nächsten Jahren passieren könnte, wird besprochen. Was sich verändert, verändert die passende Strategie. Das Produkt wird erklärt. Was empfohlen wird, wird verständlich erklärt. Was nicht verstanden wird, wird nicht empfohlen. Alternativen werden genannt. Was eine gute Beraterin oder ein guter Berater nennt, ist nicht nur ein Produkt. Es sind Optionen. Und es ist die Begründung, warum die empfohlene Option besser passt als die anderen. Was bei einer Beratung fehlt, die keines dieser Merkmale erfüllt, ist keine gute Beratung. Was dabei trotzdem passiert, ist eine Empfehlung. Und was empfohlen wird, ist dann meistens das Produkt mit der höchsten Provision, das zum Risikoprofil des Fragebogens passt. Was Anlegerinnen selbst tun könnenWas ein Risikofragebogen nicht fragt, kann selbst gefragt werden. Was eine Beratung nicht leistet, kann durch Vorbereitung ausgeglichen werden. Die eigenen Ziele konkret formulieren, bevor das Gespräch beginnt. Was investiert werden soll, wofür, wann es gebraucht wird und wie viel Schwankung wirklich ausgehalten werden kann. Was schriftlich vorbereitet ist, wird nicht durch den Fragebogen überschrieben. Den Fragebogen nicht oberflächlich ausfüllen. Was dabei oft passiert: schnell ausfüllen, ohne wirklich nachzudenken. Was dabei hilft: bei jeder Frage innehalten und die Antwort wirklich durchdenken. Was ein Fragebogen misst, ist das, was eingetragen wird. Nachfragen, was die Einstufung bedeutet. Was die resultierende Risikokategorie konkret heißt, welche Produkte damit verbunden sind und warum diese zur eigenen Situation passen, sollte erklärt werden. Was nicht erklärt werden kann, sollte nicht gekauft werden. Unabhängige Informationen hinzuziehen. Was die Bank empfiehlt, ist ein Ausgangspunkt. Was Vergleichsportale, die Verbraucherzentrale oder unabhängige Honorarberaterinnen dazu sagen, ist eine zweite Meinung, die sich fast immer lohnt. FazitEin Risikofragebogen ist der gesetzliche Mindeststandard. Was er misst, ist ein grober Umriss der eigenen Situation. Was er nicht misst, sind konkrete Ziele, Lebensveränderungen, echte Verlusterfahrungen und das vollständige Verständnis des empfohlenen Produkts. Was dabei fehlt, kann durch informierte Kundinnen ergänzt werden. Wer vorbereitet in ein Beratungsgespräch geht, bekommt mehr als wer den Fragebogen als einzige Grundlage akzeptiert. Ein Fragebogen allein macht keine gute Beratung. Aber eine informierte Kundin kann das Gespräch in die richtige Richtung lenken.

Quelle: fehmarn24.de

Mehr zu Banken