550. 000 Quadratmeter vernichtet: Wie Ukraines Drohnenkrieg Russlands Wirtschaft im Kern erschüttert
tzPolitikUkraine trifft Russlands Wildberries: Was ein solcher Angriff für Amazon bedeuten würdeStand:06. 08. 2026, 05:47 UhrKommentareUns auf Google folgenDie Ukraine hat 10 Prozent der Anlagen des russischen. . .

tzPolitikUkraine trifft Russlands Wildberries: Was ein solcher Angriff für Amazon bedeuten würdeStand:06. 08. 2026, 05:47 UhrKommentareUns auf Google folgenDie Ukraine hat 10 Prozent der Anlagen des russischen E‑Commerce‑Giganten beschädigt. Was würde ein solcher Schock für Amazon in den USA bedeuten. Dieukrainischen Streitkräfte setzten ihre verheerende Angriffskampagnegegen Wildberries in den frühen Morgenstunden fort und trafen drei weitere Lagerhäuser und Logistikanlagen des russischen E‑Commerce‑Giganten in der Nähe von Moskau, St. Petersburg und Twer. Nach Angaben ukrainischer Stellen handelt es sich um gezielte Schläge gegen kritische Knotenpunkte der Lieferkette, die bereits seit Wochen unter Beschuss stehen. Content-PartnerschaftDieser Artikel entstand in Kooperation mitnewsweek. com. Russische Medien berichteten am 23. Juli, dass bis zu 10 Prozent der Logistikkapazität des Händlers, also 550. 000 Quadratmeter Lagerfläche, von Kyjiws Drohnen beschädigt worden seien, davon rund acht Prozent vollständig unbrauchbar. Seit Veröffentlichung dieser Zahlen haben ukrainische Drohnenbediener mindestens 10 weitere Angriffe auf Wildberries‑Anlagen geflogen, wodurch der Schaden kontinuierlich wächst. Nach ukrainischen Drohnenangriffen auf Lagerhäuser des russischen Online-Händlers Wildberries steigt Rauch in den Himmel auf. © Uncredited/dpaDie Folgen derAngriffe auf den „russischen Amazon“für Verbraucher, Unternehmen und die breitere Volkswirtschaft sind nur schwer abzuschätzen, doch möglicherweise lässt sich die Tragweite besser ermessen, wenn man das Szenario auf heimische Verhältnisse überträgt. Der Vergleich mit einem westlichen Online‑Riesen zeigt, wie verwundbar auch komplexe Logistiknetze trotz aller Redundanzen bleiben. Was ein solcher Schlag für Amazon bedeuten würdeWas würde passieren, wenn 10 Prozent oder mehr der Lagerhäuser und Logistikzentren vonAmazonin den USA plötzlich in Flammen aufgingen? Mithilfe einiger Lieferkettenexperten und mit etwas überschlägiger Rechnerei hatNewsweekdies durchgespielt. Die Ergebnisse zeigen erhebliche Risiken für Lieferzeiten, Warenverfügbarkeit und Preise im ganzen Land. Amazon veröffentlicht keine einzige, eindeutige Kennzahl zur Größe seines amerikanischen Lagernetzwerks, und in den Pflichtmeldungen an die Aufsichtsbehörden werden Logistikeinrichtungen zusammen mit Rechenzentren und anderem Immobilienvermögen ausgewiesen. Brancheninterne Auswertungen und Standortdaten liefern jedoch ein deutliches Bild der realen Kapazitäten des Konzerns. Standort- und Immobiliendaten, die von Brancheninformationsdiensten zusammengetragen wurden, beziffern die Lager- und Logistikfläche von Amazon auf rund 41,3 Millionen Quadratmeter, verteilt auf mehr als 600 Einrichtungen. Auf dieser Basis entspräche ein Verlust von 10 Prozent einer Stilllegung von etwa 4,13 Millionen Quadratmetern Logistikfläche – mehr als die Fläche des New Yorker Central Park oder umgerechnet die Größe von 770 Fußballfeldern. Ukraine-Krieg: Unterschiedliche Bedeutung einzelner StandorteAllerdings bearbeitet nicht jedes Amazon‑Lager die gleiche Menge an Bestellungen, und Größe sowie Bedeutung der einzelnen Standorte unterscheiden sich erheblich. Ein Quadratmeter Logistikfläche in einem mehrstöckigen Robotikzentrum in Kalifornien oder Texas, das sich auf die Abwicklung von Same‑Day‑ und Next‑Day‑Lieferungen konzentriert, ist in Bezug auf reine Produktivität deutlich wertvoller als ein Quadratmeter in einem kleinen Fulfillment‑Center in Wyoming. Die ukrainische Drohnenkampagne gegen Wildberries zielt zudem überwiegend auf zentrale Schlüsselstandorte im Westen Russlands rund um Metropolen wie Moskau, St. Petersburg und Krasnodar – also auf Einrichtungen, die große Bevölkerungszentren versorgen. Entsprechend sind nicht nur die Flächen, sondern vor allem besonders kritische Knotenpunkte des Systems betroffen. Ein vergleichbares Szenario in den USA würde daher nicht bedeuten, dass zufällig ausgewählte 10 Prozent der Amazon‑Gebäude verschwinden; es träfe vielmehr besonders wichtige Anlagen, die die größten städtischen Märkte des Landes bedienen. Die Folgen für Lieferzeiten und Verfügbarkeit wären damit deutlich gravierender, als es die bloße Flächenzahl vermuten lässt. Angriffe auf Russland: Auswirkungen auf Lieferzeiten und Bestellmengen von AmazonAmazon teilte mit, dass im Jahr 2025 mehr als 8 Milliarden Artikel am selben oder am nächsten Tag bei Prime‑Mitgliedern in den USA ankamen. Geht man davon aus, dass die beschädigten 10 Prozent der gesamten Logistikfläche zu größeren, bedeutenderen Standorten gehören, deutet dies darauf hin, dass täglich rund 2,2 Millionen Artikel verspätet ausgeliefert oder storniert werden könnten. Das hätte spürbare Konsequenzen für Millionen Kunden im ganzen Land. Wie stark die Störung ausfallen und wie schnell sie vom amerikanischen Verbraucher bemerkt würde, hinge von drei Faktoren ab: davon, wo der Schaden entsteht, welche Art von Einrichtungen betroffen sind und wie lange sie außer Betrieb bleiben. Kurzfristige Ausfälle ließen sich teils auffangen, anhaltende Zerstörungen zentraler Knotenpunkte würden sich dagegen rasch im Alltag vieler Haushalte niederschlagen. Anders als Wildberries, das auf eine vergleichsweise kleine Zahl zentralisierter Megahubs setzt, in denen Bestellungen für ganz Russland gesammelt, verpackt und versendet werden, betreibt Amazon ein weit verzweigtes, dezentralisiertes Netz verschiedener Einrichtungen. Dieses ist darauf angelegt, zu verhindern, dass ein einzelner Teil des Systems zum „Single Point of Failure“ wird, dessen Ausfall das Gesamtnetz lahmlegt. Wie Amazons Logistiknetzwerk Ausfälle abfedertAmazon teilt das zusammenhängende Gebiet der Vereinigten Staaten in acht regionale Netzwerke auf, die jeweils über mehrere sich überschneidende Routen verfügen, um ein Produkt vom Online‑Warenkorb bis zur Haustür des Kunden zu bringen. Nach Angaben des Unternehmens werden 76 Prozent der Bestellungen aus Lagern innerhalb der Region des Kunden abgewickelt, doch datengetriebene Steuerung sorgt dafür, dass laufend geprüft wird, wo Produkte lagern und wie stark jedes Lager ausgelastet ist. Damit können Bestellungen bei Problemen auf andere Einrichtungen umgeleitet werden. Fällt ein Lager aus, lässt sich der Großteil der Aufträge in der Regel aus anderen Standorten bedienen oder um den betroffenen Knotenpunkt herumleiten, häufig mit nur geringen oder gar keinen Verzögerungen. Ein Einbruch der Logistikkapazität um 10 Prozent dürfte für Amazon‑Kunden daher zunächst eher lästige Unannehmlichkeiten als einen vollständigen Zusammenbruch bedeuten. „Verabschieden Sie sich von Same‑Day‑ und Next‑Day‑Lieferungen. Bestellungen kommen später an und würden auf mehrere Teillieferungen aufgesplittet. Beliebte Produkte wären vorübergehend oder auf unbestimmte Zeit nicht erhältlich, und Ihre Sendungsverfolgung sowie Einblicke in den Bestellstatus könnten offline gehen“, sagte Seçkin Özkul, Direktor des Supply Chain Innovation Lab der University of South Florida, gegenüberNewsweek. Solche Einschnitte träfen vor allem Kundenerwartungen, die sich in den vergangenen Jahren stark an schnelle Lieferungen gewöhnt haben. Ukraine-Krieg: Die Grenzen der ResilienzDiese Widerstandskraft hat jedoch klare Grenzen. „Die eigentliche Verwundbarkeit liegt weniger darin, dass ein großes Distributionszentrum offline geht, sondern in den Kaskadeneffekten, wenn mehrere Ausfälle sich auf den Rest des Netzwerks ausbreiten. Wenn mehr als eine große Anlage in derselben Region ausfällt, überladen diese Störungen die übrigen Logistikhubs, die eigentlich einspringen sollen“, erklärte Özkul. „In so einem Szenario würden wir sehr schnell erhebliche Auswirkungen sehen. Verzögerungen und Stornierungen träten weitaus häufiger auf, und es käme zu dem, was niemand will: steigenden Preisen. Sobald das eintritt, spüren Verbraucher die Folgen und Händler, die auf Amazon angewiesen sind, geraten in Schwierigkeiten und beginnen zu kollabieren. “ Besonders verwundbar sind Plattformanbieter, die ohnehin mit knappen Margen arbeiten. Wildberries verfügt weder über die Größenordnung noch über das dezentralisierte Netz von Amazon und ist daher anfälliger für Angriffe auf zentrale Knotenpunkte. Ein Treffer auf ein großes Verteilzentrum lässt sich dort schwerer kompensieren, weil alternative Standorte fehlen oder deutlich weniger leistungsfähig sind. Auswirkungen von Angriffen durch die Ukraine: Wildberries’ verwundbare Struktur„Für Wildberries kann eine Störung in einem konzentrierten regionalen Hub lokal eine unverhältnismäßig große Wirkung entfalten, die vermutlich deutlich länger anhält und weitere Kreise zieht als bei Amazon“, sagte Usha Haley, Distinguished Chair in International Business und Kansas Faculty of Distinction an der Wichita State University, gegenüberNewsweek. „Die breiteren Auswirkungen hängen davon ab, wie stark das Vertriebsnetz insgesamt beeinträchtigt ist und wie schnell sich die Kapazität wiederherstellen lässt. “Berichten zufolge sucht Wildberries rund 102. 000 Quadratmeter Lagerfläche in Kasachstan, um einen Teil seiner Kapazitäten der Reichweite der Angriffe zu entziehen. Dies würde jedoch weniger als 20 Prozent der 550. 000 Quadratmeter ersetzen, die nach Angaben russischer Medien bereits beschädigt oder zerstört wurden. Der Aufbau neuer Kapazitäten im Ausland erfordert zudem Zeit, Investitionen und stabile Rahmenbedingungen. Unabhängig von den tatsächlichen Kosten für Wildberries üben die Angriffe auf seine Infrastruktur eine andere Art von Druck aus. Bis vor Kurzem konzentrierte sich die Ukraine vorrangig auf russische Militärziele sowie auf die Öl‑ und Gasraffinerien, die die wichtigste Finanzierungsquelle für den Krieg des Kremls darstellen. Nun versuchen Kyjiws Militärplaner mit einem neuen Ansatz, die breitere russische Gesellschaft die Härten des Krieges direkt spüren zu lassen. Folgen für Verbraucher und Politik in RusslandOb sich dies in spürbaren politischen Druck auf Präsident Wladimir Putin übersetzen lässt, bleibt abzuwarten, doch die kurzfristigen Aussichten für russische Verbraucher und Unternehmen sind düster. Steigende Preise, längere Lieferzeiten und Lücken in den Regalen dürften besonders jene treffen, die stark von Online‑Marktplätzen abhängig sind. „Natürlich wollen Verbraucher keine höheren Preise zahlen oder feststellen, dass beliebte Produkte schlicht nicht mehr verfügbar sind. Aber Drittanbieter, die stark darauf angewiesen sind, dass Wildberries ihre Bestellungen versendet, werden einen erheblichen Umsatzeinbruch erleben, dazu zerstörte Lagerbestände und möglicherweise sogar verspätete Zahlungen“, sagte Özkul. Für viele kleinere Händler könnte das existenzbedrohend sein. „Die größten Verlierer wären kleine und mittlere Unternehmen, die ‚Mom‑and‑Pop‑Läden‘, denn sobald es zu Lagerverlusten und steigenden Preisen kommt, können sie den nötigen Cashflow schlicht nicht mehr aufrechterhalten … Wenn die Auftragsabwicklung zum Problem wird, sterben jene kleinen Anbieter als Erste, die nur auf einen Dienstleister setzen. “„Das macht an sich schon deutlich, welches Risiko es birgt, sich stark auf eine einzelne Lieferkette oder einen einzigen Zulieferer zu verlassen – das gilt für kleine Unternehmen, die von Wildberries oder Amazon abhängig sind, genauso wie für Großkonzerne und sogar für Weltmächte. Manchmal hat man jedoch schlicht keine Wahl. Dann bleibt nur, die Daumen zu drücken. “