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Aktien auf Pump: An der Börse braut sich gefährlicher Cocktail zusammen

Die Rallye an der Wall Street läuft auf Pump. Genau das könnte den nächsten Börsencrash noch gefährlicher machen. Die US-Börsen eilten zuletzt von einem Hoch zum nächsten, und ein immer größerer Teil dieser. . .

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Aktien auf Pump: An der Börse braut sich gefährlicher Cocktail zusammen

Die Rallye an der Wall Street läuft auf Pump. Genau das könnte den nächsten Börsencrash noch gefährlicher machen. Die US-Börsen eilten zuletzt von einem Hoch zum nächsten, und ein immer größerer Teil dieser Rallye wird inzwischen mit geliehenem Geld finanziert. Das machtdie Lage explosiv und gefährlich. Denn die Wertpapierkredite amerikanischer Anleger sind im Mai laut der Financial Industry Regulatory Authority (FINRA) auf den Rekordwert von 1,42 Billionen US-Dollar gestiegen. Das sind nicht nur gut 54 Prozent mehr als ein Jahr zuvor, sondern auch ein Niveau, das inzwischen selbst die Exzesse aus den Jahren 2000, 2007 und 2021 übertrifft. Stefan Feulner verfügt als Börsenexperte über rund 30 Jahre Kapitalmarkterfahrung, war CEO eines börsennotierten VC-Unternehmens und ist heute Head of Content führender Finanzportale wie wallstreetONLINE. de. Er ist Teil unseres ExpertennetzwerksEXPERTS Circle. Natürlich ist ein Rekord bei den Margin Loans allein noch kein Crashsignal. Aber er ist ein ernstzunehmendes Warnzeichen. Denn kreditfinanzierte Käufe wirken in Aufwärtsphasen wie ein Brandbeschleuniger. In fallenden Märkten dreht sich dieser Effekt jedoch um. Dann werden aus denselben Krediten plötzlich Zwangsverkäufe. Das ist der Punkt, an dem eine normale Korrektur in einen scharfen Kursrutsch kippen kann. Wertpapierkredite machen aus Rücksetzern Crash-KandidatenDer Mechanismus ist simpel, aber brutal. Wer Aktien auf Kredit kauft, hebelt seine Gewinne, oder eben seine Verluste. Fallen die Kurse, sinkt der Wert der hinterlegten Sicherheiten. Der Broker verlangt dann frisches Geld oder zusätzliche Wertpapiere. Kann der Anleger nicht nachschießen, werden Positionen automatisch verkauft. Diese „Margin Calls“ können Abwärtsbewegungen verstärken und neue Zwangsverkäufe auslösen. So entsteht eine Spirale, die in kurzer Zeit enorme Dynamik entwickeln kann. ANZEIGEANZEIGEHistorisch ist das kein theoretisches Risiko. Vor dem Platzen der Dotcom-Blase stieg die Margin Debt in den USA ebenfalls auf Rekordniveaus. Auch 2007 vor der Finanzkrise und 2021 kurz vor dem Ende des Meme- und Tech-Hypes war eine ähnliche Entwicklung zu beobachten. Entscheidend ist dabei weniger der absolute Rekordwert als die Geschwindigkeit des Anstiegs. Und diese ist aktuell alarmierend. Laut FINRA sprang die Margin Debt allein von April auf Mai um mehr als 111 Milliarden US- Dollar nach oben. Besonders heikel ist, dass die Rallye derzeit ohnehin auf einem schmalen Fundament steht. Große Teile der Kursgewinne werden weiterhin von einigen wenigenMega-Caps aus dem KI- und Technologiesektor getragen. Wenn in einem solchen Marktumfeld zusätzlich immer mehr Fremdkapital in dieselben Titel fließt, steigt die Anfälligkeit für abrupte Rückschläge. Dann reicht oft schon ein externer Schock, wie eine schwächere Gewinnprognose, ein geopolitischer Zwischenfall oder ein Zinsanstieg, um den Hebelmechanismus in Gang zu setzen. Steigende Zinsen erhöhen den Druck auf das KartenhausMit den Zinsen kommt der zweite große Risikofaktor ins Spiel. Denn Wertpapierkredite sind nicht nur ein Hebel, sie kosten auch Geld. Steigen die Finanzierungskosten, sinkt der Anreiz, Aktien auf Pump zu kaufen. Gleichzeitig erhöht sich die Belastung für bestehende Kreditpositionen. Aus einem ohnehin riskanten Setup wird dann schnell ein toxisches Gemisch aus hoher Bewertung, hohem Leverage und steigenden Kapitalkosten. Die Lage hat sich zuletzt deutlich eingetrübt. Noch zu Jahresbeginn rechneten viele Marktteilnehmer in den USA mit zwei Zinssenkungen im Laufe von 2026. Davon ist kaum noch etwas übrig. Laut einer Reuters-Umfrage erwarten inzwischen rund 70 Prozent der befragten Ökonomen, dass die Fed die Zinsen in der aktuellen Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent bis Jahresende unverändert lässt. Einige Häuser halten sogar im Jahr 2026 noch zwei Zinserhöhungen für möglich. Goldman Sachshat seine Zinssenkungserwartung bereits auf 2027 verschoben. Auch die US-Notenbank selbst sendet inzwischen ein deutlich restriktiveres Signal. In den jüngsten Projektionen wurde die Inflationserwartung für Ende 2026 auf 3,6 Prozent angehoben, nach zuvor 2,7 Prozent. Gleichzeitig sieht ein wachsender Teil der Fed-Mitglieder weiteren Handlungsbedarf bei den Zinsen. Das ist brisant, weil steigende oder länger hoch bleibende Zinsen gleich doppelt auf die Märkte wirken. Erstens sinkt der Gegenwartswert künftiger Gewinne, was vor allem hoch bewertete Wachstumswerte belastet. Zweitens verteuern sich die Kredite, mit denen Anleger genau diese Aktien auf Pump gekauft haben. Der Hebel, der die Rallye nach oben getrieben hat, kann dann plötzlich in die andere Richtung wirken. Noch kein Crashsignal, aber ein gefährlicher CocktailHeißt das, dass der Crash unmittelbar bevorsteht? Nein. Märkte können irrational länger steigen, als es viele Skeptiker für möglich halten. Solange Liquidität vorhanden ist, die KI-Euphorie anhält und die Konjunktur nicht abrupt einbricht, kann die Rallye durchaus noch weiterlaufen. Trotzdem halte ich die Gefahr einer massiven Korrektur inzwischen für deutlich gestiegen. Nicht, weil Margin Debt allein Crashs auslöst. Sondern weil sie in Kombination mit ambitionierten Bewertungen, extremer Marktkonzentration und einem restriktiveren Zinsumfeld ein explosives Gemisch ergibt. Die Börse hängt damit an einem Hebel, der in guten Zeiten Rendite produziert, in schlechten Zeiten jedoch zum Abrissseil wird. Anleger sollten diese Entwicklung deshalb nicht als Randnotiz abtun. Rekordhohe Wertpapierkredite sind kein harmloses Begleitgeräusch einer Hausse. Sie sind ein Zeichen dafür, dass Spekulation und Risikobereitschaft wieder ein Niveau erreicht haben, das in der Vergangenheit selten gut endete. Genau deshalb ist die Gefahr real, dass aus der Rekordrallye an der Wall Street schneller eine Rekordkorrektur wird, als es viele derzeit für möglich halten.

Quelle: kurse.focus.de

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