Chinas Wirtschaft: Das Exportwunder der anderen
Chinas Exportgeschäft wächst weiterhin rapide – trotz allerUnternehmungen westlicher Regierungen,diesem Trend entgegenzuwirken. Die Exporte der Volksrepublik lagen im Juni in US-Dollar gerechnet 27 Prozent. . .

Chinas Exportgeschäft wächst weiterhin rapide – trotz allerUnternehmungen westlicher Regierungen,diesem Trend entgegenzuwirken. Die Exporte der Volksrepublik lagen im Juni in US-Dollar gerechnet 27 Prozent über dem Vorjahresmonat, wie die am Dienstag veröffentlichten Daten der chinesischen Zollbehörde zeigten. Dies entspricht einem Gesamtwert von rund 412 Milliarden US-Dollar (rund 360 Milliarden Euro). Die Importe stiegen auf einen Wert von etwa 287 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 36 Prozent zum Juni des letzten Jahres. Damit übertrafen die Zahlen die Erwartungen bei weitem. Das Finanzdatenunternehmen Wind beispielsweise hatte ein Exportplus von nur etwa 18 Prozent, ein Importplus von rund 24 Prozent prognostiziert, hieß es in der HongkongerSouth China Morning Post. Für die gesamte erste Jahreshälfte gerechnet legten die Exporte um 17,6 Prozent, die Importe um 26,6 Prozent zu; beide erreichten damit ein Fünfjahreshoch. Der Handelsüberschuss belief sich im Juni auf 105 Milliarden US-Dollar, für das erste Halbjahr auf 576 Milliarden und damit 4,7 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Ausfuhren in die BRD stiegen im Juni um 27,2 Prozent zum Vorjahresmonat, die Einfuhren aus der Bundesrepublik jedoch nur um 3,1 Prozent. Für das erste Halbjahr lagen die Werte bei plus 19 Prozent bei den Exporten, plus 1,8 Prozent bei den Importen. »Eine steigende Nachfrage nach Rechenleistung, Datenzentren und Computerequipment hat die starken chinesischen Exporte angetrieben«, sagte Wang Jun, stellvertretender Vorsitzender der Zollbehörde Chinas, laut der chinesischenGlobal Timeszu den Zahlen. Auch dasglobale Interesse an »grüner« Energie wird mit chinesischer Technologie bedient: Die Exporte bei Windturbinen und Lithiumakkubatterien legten um 37,6 respektive 35,6 Prozent zu. AnzeigeZumindest zum Teil dürfte es sich bei dem unerwartet starken Handelswachstum allerdings um Vorzugseffekte handeln: Am 24. Juli laufen die von US-Präsident Donald Trump im Februar verhängten Zölle aus, und es ist denkbar, dass Washington mit noch härteren Maßnahmen nachlegt, sich Händler also vorsorglich eindecken. Auch gaben Wirtschaftsanalysten gegenüberReuterszu bedenken, dass dieanhaltend aufgeblähten Preise für Computerchipseine gewisse verzerrende Wirkung auf die am Dienstag präsentierten Import- und Exportwerte haben könnten. Ein Datum, das insbesondere das deutsche Kapital schmerzen dürfte: Die Volksrepublik hat im Juni die Marke von einer Million exportierten Pkw überschritten und somit ein neues Rekordhoch erreicht. LautFinancial Timesist das Land damit auf einem guten Weg, in diesem Jahr über zehn Millionen Autos ins Ausland zu verkaufen. Im Vorjahr waren es demnach etwas über sieben Millionen, 2023 noch knapp unter fünf Millionen. Passend dazu berichtete dasHandelsblattüber einen weltweiten und drastischen Absatzrückgang deutscher Automobile. Demnach haben BMW, Mercedes-Benz und VW in der ersten Jahreshälfte zusammen rund 6,3 Millionen Fahrzeuge exportiert. Das wäre ein Rückgang von etwa 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Ursächlich sei laut der Wirtschaftszeitung, dass sich immer weniger chinesische Autokäufer für E-Autos aus deutschen Landen entschieden. Zum anderen sorgten die infolge des Iran-Krieges und den resultierenden Verwerfungen auf dem Ölmarkt in die Höhe geschossenen Spritpreise dafür, dass auch die Verbrennermodelle – mit denen die deutschen Autokonzerne dort das Gros ihrer Gewinne erwirtschaften – in China noch unbeliebter würden. Als Wachstumsmarkt bleibe im wesentlichen nur noch Europa. Wie es in der EU mittlerweile üblich ist,wird die Schuld dafür angeblichen »Überkapazitäten« und »unfairen« Subventionen zugeschrieben. »Ich glaube nicht, dass auch nur eine Handvoll chinesischer Hersteller dort profitabel arbeitet«, zitierte dasHandelsblattPatrick Hummel, Marktbeobachter der schweizerischen Großbank UBS. Zumindest bei BMW aber sehen selbst Anleger die Dinge selbstkritischer. GegenüberReutersmonierte ein Investor die mangelnde China-Kompetenz in der Chefetage. Von anderer Stelle hieß es, BMW komme mit seiner neuen Elektroautoserie schlicht zu spät und hinke bei derAusstattung seiner Fahrzeugedem chinesischen Markt hinterher.