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Chinas Wirtschaft verliert an Tempo

Ich habe mir Michael Roberts' informativen Artikel China’s slowdown vom 13,06. übersetzen lassen, Links hinzugefügt und einiges umformuliert. Die Grafiken stammen auch von dort. Das Wachstum des chinesischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) hat sich im zweiten Quartal deutlich abgeschwächt. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum stieg die Wirtschaftsleistung nur noch um 4,3 Prozent, nach 5,0 Prozent im e . . .

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Chinas Wirtschaft verliert an Tempo

Ich habe mir Michael Roberts‘ informativen ArtikelChina’s slowdownvom 13,06. übersetzen lassen, Links hinzugefügt und einiges umformuliert. Die Grafiken stammen auch von dort. Das Wachstum des chinesischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) hat sich im zweiten Quartal deutlich abgeschwächt. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum stieg die Wirtschaftsleistung nur noch um 4,3 Prozent, nach 5,0 Prozent im ersten Quartal. Damit fiel das Ergebnis schwächer aus als von den meisten Analysten erwartet und markiert das geringste Quartalswachstum seit den pandemiebedingten Lockdowns im Jahr 2022. Trotz dieser Schwächephase liegt das reale BIP-Wachstum im ersten Halbjahr 2026 mit 4,7 Prozent im Jahresvergleich weiterhin innerhalb der von der chinesischen Regierung angestrebten Zielspanne. Dennoch sehen sich viele westliche „Experten“ durch diese Entwicklung in ihrer Auffassung bestätigt, China steuere unausweichlich auf eine Phase der Stagnation zu. So schrieb etwa Ruchir Sharma bereits vor Veröffentlichung der jüngsten Wachstumszahlenin der Financial Times:Obwohl viele Prognosen weiterhin davon ausgehen, dass China die USA als größte Volkswirtschaft der Welt überholen wird, erreichte das chinesische Wachstum bereits 2021 seinen Höhepunkt. Seither ist Chinas Anteil am globalen Bruttoinlandsprodukt zu laufenden Preisen von 18 auf 16,5 Prozent gesunken, während der Anteil der USA auf 26 Prozent gestiegen ist. Chinas Wachstumstempo liegt inzwischen unter dem des übrigen Weltwirtschaft, einschließlich der Vereinigten Staaten. Unabhängige Schätzungen gehen inzwischen davon aus, dass das reale Wachstum Chinas näher bei null liegt als beim offiziellen Zielkorridor von 4,5 bis 5 Prozent. Diese Argumente verdienen genauer geprüft zu werden. Erstens mag Chinas reales Wirtschaftswachstum bereits 2014 seinen Höchststand erreicht haben. Doch der Abstand zu den führenden westlichen Industriestaaten ist keineswegs verschwunden. Im Durchschnitt lag Chinas Wachstumsrate seit 2014 mehr als vier Prozentpunkte über dem Mittelwert der G7-Staaten. Das Land expandierte also trotz sinkender Dynamik weiterhin deutlich schneller als die großen entwickelten Volkswirtschaften. Ja, gemessen zunominalenPreisen ist Chinas Anteil am weltweiten Bruttoinlandsprodukt tatsächlich zurückgegangen. Real, also kaufkraftbereinigt, zeigt sich jedoch ein anderes Bild. Sharma argumentiert hier daher zumindest einseitig. Der Rückgang des nominalen Anteils ist vor allem auf die Abwertung des chinesischen Yuan gegenüber dem ungewöhnlich starken US-Dollar sowie auf die Deflation im Inland zurückzuführen. Da das nominale BIP in aktuellen US-Dollar berechnet wird, führen Wechselkurs- und Preisveränderungen dazu, dass die Größe der chinesischen Volkswirtschaft im internationalen Vergleich künstlich kleiner erscheint. Betrachtet man die Wirtschaftsleistung dagegen auf Basis der Kaufkraftparität (Purchasing Power Parity, PPP), werden die Verzerrungen durch Wechselkursschwankungen weitgehend ausgeblendet. Nach diesem Maßstab ist Chinas Anteil an der globalen Wirtschaftsleistung nicht um 1,5 bis 2 Prozentpunkte gesunken, sondern um rund 1,4 Prozentpunkte gestiegen. Auch die Behauptung Sharmas, Chinas Wirtschaft wachse inzwischen langsamer als der Rest der Welt, hält der Autor [Michael Roberts] für nicht überzeugend. Zur Untermauerung verweist Sharma auf angeblich „unabhängige Schätzungen“, wonach das reale Wachstum Chinas eher bei null Prozent liege als im offiziellen Zielkorridor von 4,5 bis 5 Prozent. Doch worauf stützen sich diese „unabhängigen“ Schätzungen? Nach Ansicht des Autors im Wesentlichen auf eine einzige Quelle: die westlicheDenkfabrik Rhodium Group, die sich auf China-Analysen spezialisiert hat. Die Rhodium Group verwirft die offiziellen chinesischen BIP-Daten mit der Begründung, sie seien systematisch zu hoch angesetzt und spiegelten die schwache Binnennachfrage nicht angemessen wider. Stattdessenversucht Rhodium, das Wirtschaftswachstum von unten nach oben zu berechnen, indem die Ausgaben einzelner Wirtschaftssektoren getrennt analysiert werden – und zwar auf Basis der Ausgaben, nicht der Produktion. Nach Auffassung des Autors läuft diese Methode letztlich darauf hinaus, die offiziellen Investitionszahlen stark nach unten zu korrigieren und sie weitgehend am Immobiliensektor auszurichten. Gerade dieser Sektor befindet sich jedoch seit Jahren in einer tiefen Krise. Während die gesamten Anlageinvestitionen Chinas im Jahresvergleich um 5,7 Prozent wachsen, sind die Investitionen in Immobilien um 18 Prozent eingebrochen. Indem Rhodium die Entwicklung des Immobilienmarktes praktisch zum Maßstab für die gesamte Investitionstätigkeit macht, werde das gesamtwirtschaftliche Wachstum zwangsläufig nach unten gezogen. Wer die Immobilieninvestitionen als Stellvertreter für die gesamte chinesische Investitionsdynamik verwende, müsse sich daher nicht wundern, am Ende nahezu kein Wirtschaftswachstum mehr zu errechnen. Die Rhodium Group stützt ihre Wachstumsberechnungen fast ausschließlich auf Nachfrageindikatoren wie Einzelhandelsumsätze, Kreditwachstum und das Konsumklima. Angebotsseitige Kennzahlen – etwa die Industrieproduktion, die Exporte oder die Entwicklung des verarbeitenden Gewerbes – blieben dagegen weitgehend unberücksichtigt. Allerdings folgen nicht alle westlichen Institutionen diesem Ansatz. So übernimmt auch die Bank von Finnland die offiziellen chinesischen BIP-Daten nicht ungeprüft. Stattdessen orientiert sie sich an Produktionsindikatoren wie der Stromerzeugung, dem Schienengüterverkehr und den Nettoexporten. Auf dieser Grundlage kommt sie zwar zu dem Ergebnis, dass Chinas reales Wirtschaftswachstum etwa einen Prozentpunkt unter den offiziellen Angaben liegt. Doch selbst danach würde die chinesische Wirtschaft derzeit noch rund vier Prozent pro Jahr wachsen. Auch die aktuellen Produktionsdaten sprechen gegen die These eines nahezu stagnierenden Wirtschaftswachstums. Im ersten Halbjahr 2026 stieg die chinesische Industrieproduktion um 5,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das verarbeitende Gewerbe legte um 6 Prozent zu, während der Technologiesektor sogar ein Wachstum von 14 Prozent verzeichnete. Ein Blick auf die chinesische Industrie zeigt deutlich, dass vor allem die Auslandsnachfrage den jüngsten Aufschwung trägt. Besonders kräftig expandierten die Branchen Schienenfahrzeuge, Schiffbau und Luft- und Raumfahrt mit einem Plus von 18,2 Prozent. Die Automobilindustrie legte um 8,7 Prozent zu, während die Produktion von Computern, Kommunikations- und Elektroniktechnik um 15,7 Prozent wuchs. Besonders dynamisch entwickelte sich die Halbleiterproduktion. Sie erreichte mit einem Anstieg von 25,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum den höchsten Zuwachs seit 17 Monaten – ein weiterer Hinweis auf den anhaltenden Boom im chinesischen Technologiesektor. Allerdings wäre es verfehlt, die gegenwärtige Abschwächung der Investitionstätigkeit zu ignorieren. Die Anlageinvestitionen gingen im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 5,7 Prozent zurück und erreichten damit den niedrigsten Stand seit Mai 2020. Die Investitionen des privaten Sektors sanken um 8,5 Prozent, während auch die Investitionen staatseigener Unternehmen weiter nachgaben und nur noch 2,3 Prozent zulegten. Sowohl private als auch staatliche Unternehmen scheinen größere Investitionsvorhaben aufzuschieben, was das ohnehin schwache Investitionsklima zusätzlich belastet. Die Ursachen liegen vor allem in der anhaltenden Krise des Immobiliensektors sowie in den finanziellen Problemen vieler Lokalregierungen, die noch immer unter der hohen Verschuldung leiden, die während des Immobilienbooms aufgebaut wurde. Diese beiden Faktoren seien die Hauptgründe für die vergleichsweise schwache Binnennachfrage. Zwar fallen die Immobilienpreise weiterhin, allerdings deutlich langsamer als zuvor; in einigen Städten sind inzwischen sogar wieder leichte Preissteigerungen zu beobachten. Dennoch bleibt die Investitionsschwäche bestehen. Selbst wenn der Immobiliensektor ausgeklammert wird, lagen die Anlageinvestitionen in den sechs Monaten bis Juni 2,7 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Damit hat sich der Rückgang gegenüber den ersten fünf Monaten des Jahres, als er noch 1,2 Prozent betrug, weiter verstärkt. Ein weiterer Faktor, der die Binnennachfrage belastet, ist der Schuldenüberhang, den der Zusammenbruch des Immobilienbooms hinterlassen hat. Die Hauptlast tragen inzwischen die Lokalregierungen. Viele der Kredite, die sie während der Boomjahre an private Immobilienentwickler vergaben oder absicherten, belasten noch immer ihre Haushalte. Dadurch fehle zahlreichen Kommunen der finanzielle Spielraum für neue Investitionen. Während die Zentralregierung und die staatlichen Banken ihre Investitionen sowie die Kreditvergabe gezielt auf die sogenannten „neuen Produktivkräfte“ – insbesondere Hochtechnologie und Solarindustrie – ausweiten, können viele Lokalregierungen diesen Kurs wegen ihrer hohen Verschuldung nicht mitgehen. Der deutliche Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Investitionen sei deshalb zu einem erheblichen Teil eine Spätfolge des Immobilienbooms und der damaligen expansiven Finanzierungspolitik der Kommunen. Der Autor sieht darin einen grundlegenden politischen Fehler der chinesischen Führung: Sie habe die Urbanisierung des Landes und den Wohnungsbau weitgehend dem privaten Sektor überlassen, anstatt frühzeitig ein staatlich gesteuertes, landesweites Wohnungsbauprogramm aufzulegen. Stattdessen finanzierten viele Lokalregierungen private Bauträger und förderten damit einen massiven Ausbau spekulativer Investitionen. Zwar musste angesichts der rasanten Verstädterung dringend neuer Wohnraum geschaffen werden. Doch anstatt vor allem Mietwohnungen zu errichten, setzte China weitgehend auf den Markt und auf private Bauträger, die Wohnungen zum Verkauf entwickelten. Präsident Xi Jinping brachte die daraus entstandene Fehlentwicklung später selbst mit dem Satz auf den Punkt:„Wohnungen sind zum Wohnen da, nicht zum Spekulieren. “Das erklärt auch, weshalb sich heute der Großteil der chinesischen „Zombie-Unternehmen“ im Immobiliensektor befindet. Viele dieser hoch verschuldeten Bauträger bremsen weiterhin Investitionen und Wachstum. Gleichzeitig mussten die Lokalregierungen einen erheblichen Teil der faulen Kredite übernehmen, obwohl ihre Möglichkeiten zur Neuverschuldung begrenzt sind und die Unterstützung aus Peking bislang nur begrenzt ausfällt. Trotz dieser strukturellen Probleme setzt sich Chinas wirtschaftliche Expansion fort – sie stützt sich derzeit jedoch vor allem auf den Außenhandel. Ungeachtet der von US-Präsident Donald Trump verhängten Zölle und weiterer Sanktionen erreichten die chinesischen Exporte neue Rekordwerte. Im Juni 2026 stiegen sie gegenüber dem Vorjahresmonat um 27 Prozent auf den historischen Höchststand von 412 Milliarden US-Dollar. Für das gesamte erste Halbjahr summierten sich die Ausfuhren auf 2,12 Billionen US-Dollar, was einem Zuwachs von 17,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Angetrieben wurde diese Entwicklung vor allem durch zwei Trends: den weltweiten Boom beim Ausbau von Infrastrukturen für Künstliche Intelligenz sowie den starken Anstieg der Exporte von grünen Technologien. Auf die in westlichen Medien häufig erhobenen Vorwürfe, Chinaverschärfe mit seinen Exporterfolgenglobale Ungleichgewichte oderüberschwemme die Weltmärktemit Billigprodukten aus angeblichen Überkapazitäten, geht der Autor an dieser Stelle nicht näher ein; diese Kritik habe er bereits früher ausführlich behandelt. Stattdessen nimmt er eine neuere Argumentationslinie aufs Korn. Danach verdränge Chinas wachsender Anteil am Welthandel zunehmend andere Exportländer des Globalen Südens. Der Autor hält diese These für wenig überzeugend. Vor zwei Jahrzehnten hätten westliche Beobachter Chinas Exporterfolge kaum kritisiert, solange diese vor allem als Ergebnis westlicher Unternehmen galten, die in China produzierten. Erst seit chinesische Unternehmen selbst in zahlreichen Schlüsselindustrien die technologische Führung übernommen hätten, werde behauptet, ihr Erfolg schade ärmeren Entwicklungsländern. Ein Gegenbeispiel ist Vietnam. Das Land verfolge ein ähnliches Wirtschaftsmodell mit einem starken staatlichen Sektor neben privatwirtschaftlichen Unternehmen. Dennoch habe Vietnam seinen Anteil an den weltweiten Exporten in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich ausgebaut – von rund 1,2 Prozent auf etwa 1,35 Prozent. Dies spricht gegen die Behauptung, Chinas Exporterfolge würden zwangsläufig andere Volkswirtschaften des Globalen Südens vom Weltmarkt verdrängen. Nach Auffassung des Autors verdrängt China Vietnam keineswegs vom Weltmarkt. Dass viele andere Länder des Globalen Südens ihre Exportanteile nicht ausbauen konnten, liege vielmehr daran, dass ihre Volkswirtschaften weitgehend von ausländischen multinationalen Konzernen dominiert würden und weder über einen starken staatlichen Wirtschaftssektor noch über eine eigenständige industriepolitische Strategie verfügten. Verantwortlich für das ausbleibende wirtschaftliche Aufholen des Globalen Südens sei daher nicht China, sondern diefortbestehenden Strukturen des Imperialismus. Chinas Binnenwirtschaft wächst derzeit nicht so dynamisch wächst, wie es wünschenswert wäre. Dennoch ist die Entwicklung des privaten Konsums keineswegs schwach: Seit 2014 hat der reale Konsum durchschnittlich mehr als sechs Prozent pro Jahr zugelegt – ein Tempo, das deutlich über dem der G7-Staaten liege. Inzwischen mehren sich die Anzeichen, dass die Krise des Immobilienmarktes ihren Tiefpunkt erreicht hat und die Lokalregierungen beginnen, ihren hohen Schuldenbestand schrittweise abzubauen. Gleichzeitig verzeichnen die Investitionen in Zukunftsbranchen, insbesondere im Technologiesektor, ein außerordentlich starkes Wachstum. Vor diesem Hintergrund sieht er gute Gründe für die Erwartung, dass China sein offizielles Wachstumsziel von 4,5 bis 5,0 Prozent im laufenden Jahr erreichen wird. Juli 18, 2026 | abgelegt unterEconomy,PoliticsKommentare

Quelle: burks.de

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