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Die neue Achillesferse der österreichischen Wirtschaft

In den vergangenen Jahren war die Industrie der große Problembereich für die heimische Volkswirtschaft. Doch das hat sich gewandelt. Nun sorgt vor allem der Dienstleistungssektor dafür, dass. . .

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Die neue Achillesferse der österreichischen Wirtschaft

Wie stark die heimische Wirtschaft heuer wieder wachsen kann, entscheidet sich auch in der Straße von Hormuz. Denn die Lage in dieser wichtigen Wasserstraße, durch die rund ein Fünftel des global verbrauchten Öls transportiert wird, ist derzeit maßgeblich für den Ölpreis verantwortlich. Und hier ändert sich die Situation von Tag zu Tag. Grundsätzlich hat die heimische Wirtschaft die Jahre der Rezession jedoch bereits 2025 hinter sich lassen können und ist zu Anfang des Jahres auf einen Wachstumskurs zurückgekehrt. Hauptgrund dafür war die Erholung der Industrie, wo wieder deutlich mehr investiert, produziert und exportiert wird. Dafür gibt es ein neues Sorgenkind, das dafür sorgt, dass die heimische Wirtschaft nicht wirklich vom Fleck kommt: die DienstleistungsbrancheMehr dazuSo lag der reale Zuwachs bei den heimischen Dienstleistern Anfang 2026 gegenüber dem Jahr zuvor nur bei 0,2 Prozent, wie eine Studie von Raiffeisen Research zeigt. Und damit ist Österreich im europäischen Umfeld ein Ausreißer. „In der Eurozone kann von Schwäche nämlich keine Rede sein“, so Studienautor Matthias Reith. Im Schnitt über die ganze Währungsunion legten die Dienstleistungen seit dem ersten Quartal des Vorjahres real um 1,8 Prozent zu. Bis Herbst 2022 im Gleichlauf mit EurozoneDass Österreichs Dienstleistungssektor sich so viel schwächer entwickelt als jener im Rest Europas, ist jedoch ein relativ junges Phänomen. So war die heimische Branche bis zum Herbst 2022 noch im Gleichlauf unterwegs und hat sich dann jedoch von der europäischen Entwicklung entkoppelt. Und dafür gibt es laut Reith einen ganz klaren Grund. Mehr dazu„Die Dienstleistungsschwäche und damit letztendlich der Umstand, dass Österreich gegenüber der Eurowirtschaft ins Hintertreffen geraten ist, kann dabei auch als Nebenwirkung der hierzulande besonders hohen Inflation der letzten Jahre gesehen werden – und des sehr österreichischen Umgangs damit“, so der Raiffeisen-Ökonom. Damit bezieht er sich auf den Umstand, dass hierzulande die Inflation über die Lohnrunden den Arbeitnehmern in der Regel vollständig abgegolten wurde, während in anderen europäischen Ländern von diesen Kaufkraftverluste hingenommen werden mussten. „Je stärker in einer Branche an der Preisschraube gedreht worden ist, desto schwächer hat sich die entsprechende Branche in den letzten Jahren entwickelt. “ Und das gelte eben nicht nur für die Güterproduktion, sondern auch für den Dienstleistungsbereich. Exemplarisch sei dies vor allem in der Hotellerie und Gastronomie gewesen, bei der die Preise seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie um 64 Prozent gestiegen sind. Hotellerie und Gastronomie ist auch jene Branche, die sich – nach der besonders krisengebeutelten Bauwirtschaft – bei der Wertschöpfung mit minus neun Prozent am zweitschlechtesten entwickelt hat. Die Hotellerie sticht hier wahrscheinlich auch insofern hervor, weil sie stark im internationalen Wettbewerb steht. Aber auch bei vornehmlich „inländischen“ Branchen wie dem Handel gebe es einen Zusammenhang zwischen inflationären Preissteigerungen und geringerem Wachstum. Firmen verdienen wenigerFür die Unternehmen der Branche bedeute dies, dass sie deutlich weniger verdienen als noch vor sieben Jahren. „Die Hotels, Gastgärten und Kassen in der Tourismuswirtschaft mögen voll sein. Zieht man aber Inflation und Kosten ab, bleibt immer noch deutlich weniger übrig als vor Corona“, sagt Reith. Auch die gesamte „Wachstumslücke“ von rund drei Prozent gegenüber der restlichen Eurozone sei zu weit mehr als der Hälfte der Dienstleistungsbranche geschuldet. „Österreichs BIP pro Kopf ist seit 2019 anders als in 16 von 21 Euroländern nicht gestiegen, sondern gesunken“, so Reith. Das gab es sonst nur in Deutschland, Luxemburg, Estland und Finnland. Mehr dazuDie Daten würden somit zeigen, dass hohe Lohn- und somit Kostensteigerungen auch dort für wirtschaftliche Einbußen sorgen, wo es keine direkte Konkurrenz durch ausländische Anbieter gibt. Daher sei es wichtig, von außen ins Land gebrachte Preisschocks, wie jenen durch den heurigen Iran-Krieg, nicht direkt in die inländische Kostenbasis zu übersetzen. „Steigende Preise für Strom und Gas aufgrund des Ukrainekriegs waren damals lediglich ein Schneeball, der vom Berggipfel heruntergerollt worden ist. Dass bei uns im Tal eine Inflationslawine angekommen ist, lag an unserem Umgang damit“, sagt Reith. Die jüngsten Lohnrunden unter der Inflation würden zumindest zeigen, dass es hier ein Umdenken gäbe. Dieses sei jedoch auch wichtig, um die Konkurrenzfähigkeit wieder zurückzubekommen. Denn dass die Industrie derzeit wieder wachsen könne, hänge stark damit zusammen, dass ein Teil der Lohnerhöhungen mit geringeren Margen erkauft wurde. „Trotz stärker steigender Löhne wurden die Exportpreise auf Kosten der Gewinne nur im europäischen Gleichschritt erhöht“, sagt Reith. „Wahl zwischen Pest und Cholera“Die Firmen hätten die Wahl zwischen Pest und Cholera gehabt: Entweder noch mehr Marktanteile verlieren oder die Kostenanstiege teilweise selbst schlucken. „Man hat sich für Letzteres entschieden. Die Industrieunternehmen haben sich ihren Aufschwung damit selbst bezahlt. “ Dadurch ging die Profitabilität der Industrie, die früher im Eurozonen-Vergleich überdurchschnittlich war, deutlich zurück, sodass die Firmen heute weniger profitabel als der Schnitt der Eurozone sind. Allerdings sei es nun notwendig, diese Lohnzurückhaltung länger aufrecht zu halten. „Österreichs Wirtschaft gleicht einem Rekonvaleszenten, der sich bei erstbester Gelegenheit einen neuerlichen Infekt einfängt“, so Reith. Das gelte sowohl für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen als auch für die fiskalische Situation des Staates, der durch seine expansive Politik viel kompensiert – und damit den Grundstein für das Defizit gelegt hat.

Quelle: rootsanalysis.com

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