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DIW-Studie zeigt, warum Staatsausgaben die Wirtschaft stärker ankurbeln als Steuersenkungen

Fehmarnsches TageblattWirtschaftInvestitionen statt Steuersenkungen? Ökonomen zeigen einen Ausweg aus der KriseStand:13. 08. 2026, 13:05 UhrKommentareEine neue Studie liefert einen Ausweg aus der Krise. . . .

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DIW-Studie zeigt, warum Staatsausgaben die Wirtschaft stärker ankurbeln als Steuersenkungen

Fehmarnsches TageblattWirtschaftInvestitionen statt Steuersenkungen? Ökonomen zeigen einen Ausweg aus der KriseStand:13. 08. 2026, 13:05 UhrKommentareEine neue Studie liefert einen Ausweg aus der Krise. Staatsausgaben wirken demnach stärker als Steuersenkungen. Ökonomen nennen die Gründe dafür. Berlin – Wenn Regierungen im Euroraum ihre Wirtschaft stärken wollen, greifen sie gerne zu Steuersenkungen, um die Kaufkraft anzukurbeln. Das klingt nach einem einfachen Rezept. Nach einer neuen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) ist dieser Weg jedoch deutlich weniger wirksam, als viele annehmen. Wer die Konjunktur kurzfristig stabilisieren will, fährt mit öffentlichen Investitionen und höherem Staatskonsum erheblich besser. Der Wirtschaftsstandort Deutschland muss wieder attraktiver werden – die Stellschrauben dafür hat die Politik in der Hand. © IMAGO / Wolfgang Maria Weber/ LNJSFür ihre Untersuchung kombinierten die DIW-Ökonomen ein theoretisches Modell einer typischen Volkswirtschaft des Euroraums mit empirischen Analysen auf Basis von Eurostat-Daten aus zwölf Mitgliedstaaten im Zeitraum von 1999 bis 2023. Dabei stellten sie fest, dassjeder zusätzliche Euro an staatlichen Ausgaben das Bruttoinlandsproduktim ersten Jahr um bis zu 1,30 Euro erhöht. Steuersenkungen erzielten dagegen lediglich einen Effekt von bis zu 40 Cent je Euro. Warum die Geldpolitik der EZB den Unterschied machtDer entscheidende Grund für diesen Unterschied liegt in der gemeinsamen Geldpolitik des Euroraums. „Die gemeinsame Geldpolitik verändert die Spielregeln der Fiskalpolitik im Euroraum. Weil die Europäische Zentralbank auf fiskalische Maßnahmen einzelner Mitgliedstaaten in der Regel nicht reagiert, werden nationale Ausgabenprogramme nicht durch Zinserhöhungen gebremst“, erklärt Studienautor Gökhan Ider. In einem Land mit eigener Zentralbank, etwa den USA oder dem Vereinigten Königreich, würde eine höhere Nachfrage normalerweise Zinserhöhungen nach sich ziehen, die den Effekt wieder dämpfen. Im Euroraum bleibt dieser Bremseffekt aus, weil dieEZB ihre Zinspolitik an der Lage des gesamten Währungsraums ausrichtetund nicht an einzelnen Mitgliedstaaten. Steuersenkungen wirken dagegen tendenziell deflationärund profitieren deshalb nicht von einer möglichen geldpolitischen Lockerung, die ihre Wirkung sonst verstärken würde. „In einer Währungsunion wie dem Euroraum wirken insbesondere fiskalpolitische Ausgabenmaßnahmen viel stärker als in Ländern mit eigener Geldpolitik wie den USA“, ergänzt Ko-Autor Malte Rieth. Wenn beispielsweise Italien oder Spanien ihre Staatsausgaben erhöhen, steigt das BIP dort wie gewünscht, ohne dass die EZB mit höheren Zinsen gegensteuert, so das DIW. Investitionen und Konsum wirken auf unterschiedliche WeiseAuch wenn beide Ausgabeninstrumente die Wirtschaft stärker ankurbeln als Steuersenkungen, unterscheiden sich ihre Wirkungswege deutlich. Öffentliche Investitionen regen vor allem private Investitionen anund bauen gleichzeitig den öffentlichen Kapitalstock aus,etwa durch neue Infrastruktur. Dadurch erhöhen sie nicht nur die Nachfrage im Moment der Ausgabe, sondern stärken auch die Produktionskapazitäten der Wirtschaft für die Zukunft. Laut der Studie bleibt der Investitionsmultiplikator deshalb auch nach vier Jahren noch nahe eins. Ein höherer Staatskonsum wirkt anders. Er kurbelt primär den privaten Konsum an, weil öffentliche Dienstleistungen private Ausgaben demnach ergänzen, statt sie zu verdrängen. Allerdings gehen die privaten Investitionen dabei tendenziell leicht zurück, und ein Teil des Impulses fließt über sinkende Nettoexporte ins Ausland ab. Der Effekt des Staatskonsums lässt daher schneller nach als jener der Investitionen und sinkt laut Studie im Zeitverlauf auf rund 0,7. Steuerentlastungen fallen im Vergleich deutlich ab. Eine Senkung der Konsumsteuern erhöht laut der DIW-Studie das BIP zunächst um rund 30 Cent je Euro, wobei diese Wirkung nach etwa zwei Jahren fast vollständig verpufft ist. Eine Einkommensteuersenkung bringt es auf bis zu 40 Cent, wirkt aber ebenfalls kaum über den privaten Konsum, sondern eher über private Investitionen. Nach vier Jahren liegt der Effekt von Steuersenkungen nahezu bei null, während der Ausgabenmultiplikator zu diesem Zeitpunkt noch rund eins beträgt. Steuersenkungen vs. Investitionen: Kurzfristiger Nutzen gegen langfristige RisikenTrotz dieser klaren Befunde warnen die Autoren vor einer einseitigen Lesart ihrer Ergebnisse. „Insbesondere zur kurzfristigen Stabilisierung der Wirtschaft sind gut ausgestaltete Ausgabenmaßnahmen das wirksamere Instrument“, so Ökonom Ider. „Gleichzeitig müssen die Regierungen die langfristigen Folgen für Staatsfinanzen und Wachstum im Blick behalten. “ Höhere Staatsausgaben oder geringere Steuereinnahmen können die Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen beeinträchtigen und das langfristige Wirtschaftswachstum schwächen. Genau vor diesem Risikowarnte bereits der Internationale Währungsfondsim Juli 2026, als er auf mögliche neue Schuldenprobleme in Europa hinwies. Die Autoren betonen zudem, dass ihre Ergebnisse vor allem für fiskalpolitische Maßnahmen einzelner Mitgliedstaaten gelten. Würden viele Länder des Euroraums ihre Ausgaben gleichzeitig ausweiten, könnte dies eine geldpolitische Reaktion der EZB auslösen und die Wirkung der Ausgabenmaßnahmen spürbar abschwächen. Als aktuelles Beispiel für eine weitgehend nationale Ausweitung öffentlicher Investitionen nennt die Studiedas deutsche Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität in Höhe von 500 Milliarden Euro. (Quelle: DIW, IWF)(ls)

Quelle: fehmarn24.de

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