Explodierende Inflation, steigende Armut und stagnierende Wirtschaft: Die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf Asien
Während in Deutschland die Folgen des Krieges und der Schließung der Straße von Hormus in erster Linie beim Tanken zu spüren sind, trifft es asiatische Länder viel härter. Über 2 Milliarden Menschen fehlt die wichtigste Energiequelle zum Kochen. Die Energie- und Wirtschaftskrise verstärkt Chinas Einfluss in der Region.

Während in Deutschland die Folgen des Krieges und der Schließung der Straße von Hormus in erster Linie beim Tanken zu spüren sind, trifft es asiatische Länder viel härter. Über 2 Milliarden Menschen fehlt die wichtigste Energiequelle zum Kochen. Die Energie- und Wirtschaftskrise verstärkt Chinas Einfluss in der Region. Seit nun fast drei Monaten tobt derKriegin Westasien. Gestartet mit Luftangriffen der USA gemeinsam mit Israel, beschossen sie Regierungsgebäude, Armee-Zentren und diverse taktische Ziele wie in etwa etliche Öl-Raffinerien, im Iran. Ursprünglich wollten die Angreifer die unruhige Situation mit Protesten gegen das Regime nutzten, um einen Regierungswechsel zurerzwingen. Die neue Regierung sollte zugunsten der regionalen Macht Israel und der imperialistischen Weltmacht USA unter Präsident Trump stehen. Schon in den ersten Wochen des Krieges lag die Zahl derTodesopferim Iran bei etwa 1. 500 sowie mehr als 12. 000 Verletzten. Besondere Aufmerksamkeit erhielt der US-Luftangriff auf eineMädchenschulein der iranischen Stadt Minab, bei der über 100 Kinder starben. Aktuell gilt seit Anfang April eine Waffenruhe. Findet der Iran-Krieg jetzt ein Ende?Steigende Benzinpreise und InflationHier in Deutschland drehen sich dieSchlagzeilenrund um die Auswirkungen des Krieges primär um die angestoßene Inflation und die steigenden Gaspreise. Kurz nach Beginn der Angriffe wurde dieStraße von Hormuserst durch den Iran, später auch durch die USA besetzt. Somit wurde der Handelsverkehr durch die Meerenge zwischen dem Iran und den Vereinigten Arabischen Emiraten praktisch verboten. Normalerweise wird ungefähr 20 Prozent des weltweit verbrauchten Öls und Flüssiggases (LNGs) durch sie verschifft. Vor dem Krieg passierten rund 100 Schiffe täglich durch die Meerenge, aktuell kommen nur zwischen zwei und 16 durch. Demzufolge stiegen dieBenzinpreisestark an. Der Tagesmittelwert für Super an deutschen Tankstellen steig von 1,84 Euro auf 2,24 Euro – innerhalb von einem Monat. Im gleichen Zeitraum stieg auch der Preis für einen Liter Diesel um 39 Prozent. Die immer wachsenden Öl- und Gaspreise zogen eine neue weltweite Inflation mit sich: EineForschungdes Nürnberger Instituts für Marktentscheidungen (NIM) befragte rund 2. 000 Menschen zu ihrem Konsum. Das Ergebnis: 60 Prozent der Befragten fürchten, dass die erhöhten Energiepreise infolge des Iran-Krieges dauerhaft hoch bleiben. Ähnliche sorgen entstanden auch 2022, als Russlands Krieg auf die Ukraine startete. Abhängigkeit von Öl wird zum VerhängnisEin aktuellerBerichtder Vereinigten Nationen (UN) über die Schließung der Straße von Hormus untersucht, wie sich der Krieg und die Belagerung der Meerenge auf die benachbarten Länder in Asien auswirkt. Dabei greifen sie eineReportagedes „Department of Economic and Social Affairs (DESA)“ auf, welche das globale Wirtschaftswachstum 2026 auf 2,5 Prozent prognostiziert – und damit unter den Werten während der Corona-Pandemie in den Jahren 2021 und 2022. Eine Reihe von asiatischen Staaten hat damit begonnen Treibstoff zu rationieren. Dazu gehören Bangladesch, Indien oder Nepal. Insbesondere die Staaten in Süd- und Ostasien sind durch ihre hohe Abhängigkeit vom Öl aus der Golfregion von einer verstärkten Inflation betroffen. So stieg die Gesamtinflation in Laos von 6,2 Prozent im Februar zu 10 Prozent. Auch in Pakistan sprang der Wert von 7,3 Prozent in März auf 10,9 Prozent im April, weswegen das Land eine Vier-Tage-Woche einführten. Die explodierende Inflation im Zusammenspiel mit dem Erstarken des US-Dollars im Gegensatz zu regionalen Währungen führt zu extremer Armut. In Myanmar, einem Land durchzogen von Vertreibung und Armut, verdreifachten sich laut einemBerichtdes Welternährungsprogramms der UN die Energiepreise seit Ende Februar. Dies zog mit sich, dass auch die Preise für Grundnahrungsmittel um ungefähr 18 Prozent landesweit stiegen, mit dem höchsten Anstieg in der Stadt Magway von 38 Prozent. „Ein Viertel der Menschen in Myanmar haben keinen sicheren und beständigen Zugang zu Essen“, so derBericht. Extremsituation auf den PhilippinenDer philippinische Präsident Ferdinand R. Marcos Jr. rief einen landesweitenNotstandaus. Die Philippinen beziehen rund 90 Prozent ihrer Öle und Flüssiggase (LNGs) von den Golfstaaten und stehen nun vor einer „unmittelbaren Gefahr eines kritisch niedrigen Energievorrates“,soMarcos Jr. Über das Land hinweg schließen Tankstellen, da es kein Benzin mehr zum Verkauf gibt. Der ausgelöste Notstand soll jetzt mithilfe eines Komitees navigiert werden, welches sich um die Verteilung von Essen, Gas, Medizin und andere Materialien in der Spanne von einem Jahr kümmert. Dazu wurde auch hier die Vier-Tage-Woche eingeführt. Regierungsbehörden, staatliche Universitäten sowie Schulen wurden aufgefordert, ihren Energieverbrauch um 10 Prozent zu reduzieren. Irankrieg: Super-GAU für die Weltwirtschaft?Milliarden von Menschen fehlt das LNG zum KochenIn vielen Ländern – Indien, Philippinen, Indonesien, werdenFlüssiggaseals Haupttreibstoff zum Kochen benutzt. In Indien und Indonesien allein dienen die LNGs als vermeintlich saubere Alternative zu Holz, Kohle und Kerosin. Seit der Blockade der Straße von Hormus fallen nun 80 Prozent der üblichen Lieferung des Kochgases weg. Allein in Indien nutzen über eine Milliarde Menschen LNG als Energiequelle zum Kochen. Das Land setzt jetzt vermehrt auf Importe aus den USA. Doch die Schiffe brauchen rund 40 Tage und die indischen Speicherkapazitäten für LNG sind noch zu gering. Insgesamt sind in Asien 2,4 Milliarden Menschen in Entwicklungsländern auf LNG zum Kochen angewiesen. An vielen Orten hat LNG in den letzten Jahren schädliche Brennstoffe wie Holz, Holzkohle oder Kerosin ersetzt. Jetzt dürfe es vielerorts wieder zu einer Rückkehr zu klassischen Methoden kommen. Der indische Staat versucht jedoch dagegen zu steuern, und hat etwa die Preise für Elektroherde gesenkt. Chinesischer Einfluss nimmt zuDie Staaten in Südostasien konnte in den vergangenen Jahren wirtschaftlich stark aufholen, und wurden zu zunehmend zum Schauplatz von Kämpfen um Einfluss zwischen den USA und China. Fast keiner der Staaten hat eine nennenswerte eigene Produktion von Rohstoffen wie Öl, Gas oder LNG. Die aktuelle Energiekrise könnte für neue wirtschaftliche Beziehungen und Abhängigkeiten in der Region sorgen. Schon jetzt ist sichtbar, wie der chinesische Einfluss in der Region zunimmt. So exportiert China etwa vermehrt Öl, Kerosin oder Düngemittel an Staaten wie die Philippinen, Vietnam oder Australien. Außerdem ist China der weltweit größte Produzent von erneuerbarer Energie wie Windparks oder Solarpanels. Zunehmend werden diese jetzt auch nach Südostasienexportiertund verstärken damit wirtschaftliche und diplomatische Beziehungen zu Staaten, die starke Beziehungen zu den USA haben.