Hidden Champion warnt vor steigenden Lohnzusatzkosten: „Arbeit muss sich wieder lohnen“ - Wirtschaft | experten. de
Steigende Sozialabgaben treffen Unternehmen nicht nur auf dem Papier. Am Beispiel des Messtechnikherstellers WIKA zeigt sich, welche Auswirkungen höhere Lohnzusatzkosten auf Investitionen, Wettbewerbsfähigkeit und Standortentscheidungen haben können. Das Unternehmen sieht dabei nicht nur die Politik in der Verantwortung, sondern fordert vor allem mehr Verlässlichkeit bei den Rahmenbedingungen.

Steigende Sozialabgaben treffen Unternehmen nicht nur auf dem Papier. Am Beispiel des Messtechnikherstellers WIKA zeigt sich, welche Auswirkungen höhere Lohnzusatzkosten auf Investitionen, Wettbewerbsfähigkeit und Standortentscheidungen haben können. Das Unternehmen sieht dabei nicht nur die Politik in der Verantwortung, sondern fordert vor allem mehr Verlässlichkeit bei den Rahmenbedingungen. Steigende Lohnzusatzkosten beeinflussen nach Angaben des Messtechnikherstellers WIKA zunehmend Investitionsentscheidungen, Personalplanung und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland (Symbolbild). Redaktion experten. de / KI-generiertDas Familienunternehmen mit Sitz im bayerischen Klingenberg am Main beschäftigt weltweit rund 11. 000 Mitarbeiter und gilt als Weltmarktführer für Manometer sowie als einer der führenden Anbieter industrieller Messtechnik. Trotz internationaler Ausrichtung versteht sich WIKA als klarer Bekenner zum Standort Deutschland – sieht diesen jedoch zunehmend unter Kostendruck. Lohnzusatzkosten werden zum WettbewerbsfaktorFür Martina Mischitz, Executive Vice President HR bei WIKA, zählen steigende Lohnzusatzkosten inzwischen zu den größten Herausforderungen für produzierende Unternehmen. Anders als bei den Energiekosten gebe es kaum Möglichkeiten, die Belastung selbst zu beeinflussen. „Bei den Lohnzusatzkosten sind wir den politischen Rahmenbedingungen ausgeliefert – da hat der Staat aus meiner Sicht eine klare Mitverantwortung“, sagt Mischitz. Nach den Berechnungen des Unternehmens würde allein die geplante Anhebung der Beitragsbemessungsgrenzen in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung für die bayerischen Standorte jährliche Mehrkosten von rund 1,6 Millionen Euro verursachen. Davon entfielen etwa 1,4 Millionen Euro auf den Stammsitz in Klingenberg. Betroffen sind nicht nur FührungskräfteNach Angaben des Unternehmens würden rund 35 Prozent der Beschäftigten an den bayerischen Standorten von einer höheren Beitragsbemessungsgrenze erfasst. Dabei handele es sich keineswegs ausschließlich um Führungskräfte. „Diese Grenze betrifft bei uns bereits Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen mit ein bis zwei Jahren Berufserfahrung sowie qualifizierte Fachkräfte in der gehobenen Sachbearbeitung“, erläutert Mischitz. Aus Sicht des Unternehmens verteuern sich damit gerade jene Beschäftigtengruppen, die für Innovation und industrielle Wertschöpfung besonders wichtig sind. Investitionen geraten unter DruckWelche Auswirkungen zusätzliche Personalkosten haben können, zeigt sich nach Angaben von WIKA auch bei Investitionsentscheidungen. Ein geplantes Bauprojekt zur Erweiterung der Fertigung in Klingenberg werde derzeit zurückgestellt. Das Grundstück sei vorhanden, ebenso die grundsätzliche Investitionsbereitschaft. Die Unsicherheit über die weitere Kostenentwicklung erschwere jedoch die Entscheidung. Gleichzeitig verweist das Unternehmen darauf, dass es bereits in den vergangenen Jahren Teile standardisierter Fertigungsprozesse ins Ausland verlagert habe. Am deutschen Standort konzentriere sich WIKA heute vor allem auf Forschung und Entwicklung, Spezialfertigungen sowie hochwertige Kleinserien. Fachkräftemangel hat sich verändertInteressant fällt auch die Einschätzung zur Lage am Arbeitsmarkt aus. Während spezialisierte Ingenieure noch vor wenigen Jahren kaum zu finden gewesen seien, habe sich die Situation zuletzt spürbar verändert. Nach Beobachtung des Unternehmens melden sich inzwischen häufiger qualifizierte Fachkräfte aus Betrieben, die Personal abbauen müssen. Für finanziell stabile Unternehmen eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten, gezielt Fachkräfte zu gewinnen. Standortpolitik bleibt WettbewerbsfrageDas Beispiel WIKA zeigt, dass die Debatte über Sozialabgaben weit über Fragen der Finanzierung von Kranken- und Pflegeversicherung hinausreicht. Für Unternehmen spielen sie eine wichtige Rolle bei Investitionen, Personalplanung und internationalen Standortvergleichen. Ob steigende Lohnzusatzkosten tatsächlich zu Wettbewerbsnachteilen führen oder durch andere Standortvorteile ausgeglichen werden können, wird wirtschaftspolitisch unterschiedlich bewertet. Das Interview macht jedoch deutlich, dass viele Unternehmen die Entwicklung zunehmend als Teil ihrer strategischen Standortplanung betrachten. LESEN SIE AUCHUnsere Themen im ÜberblickInformieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen und Hintergründe aus zentralen Bereichen der Branche. ThemenweltPraxisnahe Beiträge zu zentralen Themen rund um Vorsorge, Sicherheit und Alltag. WirtschaftAnalysen, Meldungen und Hintergründe zu nationalen und internationalen Wirtschaftsthemen. ManagementStrategien, Tools und Trends für erfolgreiche Unternehmensführung. RechtWichtige Urteile, Gesetzesänderungen und rechtliche Hintergründe im Überblick. FinanzenNeuigkeiten zu Märkten, Unternehmen und Produkten aus der Finanzwelt. AssekuranzAktuelle Entwicklungen, Produkte und Unternehmensnews aus der Versicherungsbranche. Mehr zum ThemaDie neue Ausgabe kostenlos im KioskWerfen Sie einen Blick in die aktuelle Ausgabe und überzeugen Sie sich selbst vom ExpertenReport. Spannende Titelstories, fundierte Analysen und hochwertige Gestaltung – unser Magazin gibt es auch digital im Kiosk.