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Jetzt ist Zahltag für den Ukraine-Krieg: Russlands Wirtschaft im. . .

Die Krisen haben die Russen resilient gemacht. Und mit ihrer Anpassungsfähigkeit haben sie über Jahre bewiesen, dass sie auch die größten Verwerfungen meistern. Plötzlich jedoch werden sie mutlos. Wie die. . .

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Jetzt ist Zahltag für den Ukraine-Krieg: Russlands Wirtschaft im. . .

Die Krisen haben die Russen resilient gemacht. Und mit ihrer Anpassungsfähigkeit haben sie über Jahre bewiesen, dass sie auch die größten Verwerfungen meistern. Plötzlich jedoch werden sie mutlos. Wie die jüngste Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup, durchgeführt zwischen 14. März und 6. Mai, eruiert hat, befindet sich der wirtschaftliche Pessimismus auf dem höchsten Stand seit 20 Jahren. 60 Prozent – und damit zum ersten Mal eine Mehrheit – sagen, dass sich die wirtschaftliche Lage in ihrer Stadt oder Region verschlechtert. 56 Prozent, auch das ein Rekordwert, berichten von einem Absinken ihres Lebensstandards. Und auch die Konjunkturprognosen gehen durch die Bank nach unten. Was sind die Hauptgründe für die Misere? Befindet sich die Wirtschaft gar im sogenannten „perfekten Sturm“?„Es ist tatsächlich mehr oder weniger ein perfekter Sturm“, sagt Vasily Astrov, Russland-Ökonom am Wiener Institut für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW), auf Anfrage. Nachdem die Wirtschaft im ersten Quartal um 0,2 Prozent geschrumpft ist, nimmt das WIIW nun nur noch 0,6 Prozent Wachstum für das Gesamtjahr an. Und das, nachdem Russlands Wirtschaft schon 2025 auf 1,0 Prozent und damit de facto auf Stagnationsniveau abgebremst hat. Mehr dazuDie TreibstoffkriseDas Werk läuft immer weniger, und an allen Ecken und Enden werden die Probleme mehr. Am augenscheinlichsten wurde das in den vergangenen Tagen an den ukrainischen Drohnenangriffen gegen den russischen Ölsektor. Dass am Montag die Raffinerie im sibirischen Omsk, 2500 Kilometer von der ukrainischen Grenze entfernt, getroffen wurde, stellt einen vorläufigen Höhepunkt der Attacken gegen die Industrie dar: Schließlich handelt es sich um die landesweit größte Raffinerie und die einzige unter den Top-10, die bisher nicht in Mitleidenschaft gezogen war. Schätzungen des US-Brancheninformationsdienstes Energy Intelligence zufolge ist die russische Ölverarbeitung schon im Juni um 25 Prozent auf 3,91 Millionen Barrel und damit auf ein Minimum seit über 20 Jahren gefallen. Benzin bleibt an den Tankstellen limitiert. Russland muss Ölprodukte plötzlich importieren, sogar aus Indien. Die Angriffe auf die Energieinfrastruktur werden so gut wie von allen Experten als destabilisierender Faktor für die Wirtschaft gewertet. „Als Folge droht ein Zusammenbruch des Verkehrswesens und die Absage der Tourismussaison am Schwarzen Meer“, sagt Vladislav Inozemtsev, einst Wirtschaftsberater des Kremls und heute in Washington lebender Mitgründer des Zentrums für Analysen und Strategien in Europa (Case), zur „Presse“. Man dürfe hier auch die symbolische Wirkung nicht unterschätzen, meint Astrov. Mehr dazuDer Ölpreis„Dazu kommen die im historischen Vergleich, sprich inflationsbereinigt, relativ niedrigen Energiepreise“, erklärt Janis Kluge, Russland-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, auf Anfrage. In der Tat ist die fast viermonatige Sonderkonjunktur beim Ölpreis, hervorgerufen durch den Iran-Krieg, zu Ende. Der Mangel am globalen Ölangebot hatte zwischenzeitlich dazu geführt, dass russisches Öl der Sorte Urals für fast 120 Dollar je Fass und damit zeitweise sogar teurer als die europäische Brent-Sorte gehandelt wurde. Damit ist Schluss. Der Urals-Preis an den westlichen Exporthäfen ist Anfang Juli laut Preis-Informationsdienst Argus Media auf 41,66 Dollar gefallen und liegt damit wieder weit unter den 59 Dollar, auf deren Basis das Staatsbudget erstellt wurde. Zwar machen die Steuereinnahmen aus dem Öl- und Gasverkauf seit Jahren nur noch knapp ein Viertel der gesamten Budgeteinnahmen aus. Aber das Budget, dessen Defizit bis Mai bereits sechs Billionen Rubel (77 Milliarden Dollar) bzw. 2,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erreicht hat, kommt nun weiter unter Druck. Mehr dazuRusslands Wirtschaft ist damit nicht kaputt, wie das in der aufgeheizten Stimmung von diversen Seiten wiederholt behauptet wird. Mit dem Ausmaß des Budgetdefizits etwa oder gerade mit seiner geringen Staatsverschuldung steht das Land sogar deutlich besser da als viele europäische Staaten. Leitzins und starker RubelAber die Probleme sind inzwischen gravierend. Und die Treibstoffkrise sowie der niedrige Ölpreis sind bei weitem nicht die Einzigen. Vor allem der Leitzins von 14,25 Prozent gilt im Verein mit dem immens starken Rubel den meisten Ökonomen als riesiges Übel. Den kreditbelasteten Unternehmen, die im Schuldendienst ersticken, und den exportorientierten Konzernen ohnehin. Da die offizielle Inflationsrate zwischen fünf und sechs Prozent liege, betrage sogar der Realzins neun Prozent, betont Astrov: „Das ist einfach zu restriktiv“. Dem hält Oleg Vjugin, Ex-Vizechef der russischen Zentralbank entgegen, dass die offizielle Statistik die reale Inflation nicht abbilde. „Die gefühlte Inflation, die durch Umfragen erhoben wird und die die realen Einkäufe der Leute abbildet, liegt sehr stabil bei 13 Prozent“, sagte Vjugin kürzlich im Interview mit der „Presse“: „Deshalb ist der Leitzins gar nicht so hoch, wie er erscheint. “Hohe BudgetausgabenDie hohen Ausgaben für Krieg und innere Sicherheit – insgesamt 40 Prozent des Budgets – haben die Inflation bereits angeheizt, bevor die westlichen Sanktionen und die jetzige Treibstoffkrise wirksam wurden. Die Hardliner im russischen Machtapparat würden den Militärhaushalt und das Haushaltsdefizit gern auch weiter unbegrenzt erhöhen, erklärt Inozemtsev: Dass die wirtschaftsliberale Zentralbank-Chefin Elvira Nabiullina, die im Inland als Sündenbock für die Wirtschaftsflaute gilt, trotz diesem Druck den Leitzins Ende Juni nur um einen Viertelprozentpunkt gesenkt habe, sei ein „Beweis dafür, dass es noch immer Widerstand gegen die verrücktesten Ideen im Kreml gibt. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass Nabiullina noch dieses Jahr neue Ministerpräsidentin wird“, so Inozemtsev. Steuern, Vorschriften, EnteignungenFür den Ökonomen sind der Leitzins und die dadurch eingebrochenen Anlageinvestitionen lediglich Folgen der hohen Budgetausgaben und noch dreier anderer Faktoren: extrem hohe Steuern und Abgaben, zunehmende Beschränkungen und Vorschriften sowie Attacken gegen Privatunternehmer inklusive Renationalisierung von Vermögenswerten. Tatsächlich haben sich die Enteignungen und Besitzumverteilungen im vergangenen Jahr vervielfacht. Und auch wenn es mit dem Eigentumsrecht in Russland immer schon im Argen lag: „Das, was jetzt passiert, habe ich in meinem Leben noch nicht gesehen“, erklärte die renommierte Moskauer Ökonomin Natalja Subarewitsch im Frühjahr im Interview mit der „Presse“: „Wir sehen, dass die anschließenden Reprivatisierungen dem Budget nur wenig bringen, dafür aber die richtigen, loyalen Leute bedient werden. “Mehr dazuKein VertrauenAll das lässt das Vertrauen in die Zukunft schwinden, worin Ökonom Kluge eine der zentralen Belastungen für die Wirtschaft erkennt. Dem stimmt auch Inozemtsev zu, der die Unsicherheit auch in der mangelnden Klarheit über den weiteren Kriegsverlauf und in der allgemeinen Angst vor einer zweiten Mobilmachung begründet sieht. Internet-Sperren und ArbeitskräftemangelErschwerend hinzu kamen in den vergangenen Monaten laut Astrov die weitgehenden Internet-Sperren, die laut Inozemtsev „zu einem Niedergang der digitalen Wirtschaft führen“. Auch der Arbeitskräftemangel, bedingt durch die demografische Entwicklung und „inzwischen sogar durch die Verluste im Krieg“ würden das Wachstum unterminieren, betont Kluge. SanktionenUnd dass die umfangreichen Sanktionen des Westens, die kurzfristig umgangen wurden, inzwischen ihre langfristige Wirkung entfalten, stellt ohnehin niemand mehr infrage: Am spürbarsten sei sie bei der Verteuerung der Logistik und beim Mangel an hochwertiger Technologie, erklärt der ehemalige Zentralbank-Vize Vjugin. „Kein Wachstum in Sicht“Kann Russland angesichts dieses Problemberges zu einem Wachstum zurückkehren? Raten von über vier Prozent wie in den Jahren 2023 und 2024 seien unrealistisch, meint Kluge, denn „das Wachstumspotenzial lag bereits vor Krieg und Sanktionen bei nur ein bis 1,5 Prozent pro Jahr“. Nun verschlinge der Krieg auch die Ressourcen dafür. Russland könne die bremsenden Faktoren zwar erheblich abmildern, meint Inozemtsev. Aber, so Vjugin: „Wenn man die Militärausgaben nicht kürzt, ist kein Wachstum in Sicht. “

Quelle: DiePresse.com

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