Lichtblick für die Wirtschaft: Im Handwerk in Schwaben verbessert sich die Stimmung
In der derzeitigen schwierigen wirtschaftlichen Lage zeichnet sich in der Region ein Lichtblick ab: Im Handwerk hat sich die Stimmung in diesem Quartal aufgehellt. „Quer über alle Branchen beurteilen 82. . .

In der derzeitigen schwierigen wirtschaftlichen Lage zeichnet sich in der Region ein Lichtblick ab: Im Handwerk hat sich die Stimmung in diesem Quartal aufgehellt. „Quer über alle Branchen beurteilen 82 Prozent der Betriebe ihre Lage als gut oder befriedigend“, berichtet die Handwerkskammer für Schwaben. Das seien fünf Prozentpunkte mehr als noch im Vorquartal. „Gerade das Ausbaugewerbe boomt“, sagt Hauptgeschäftsführer Ulrich Wagner. Gewerke wie Maler, Elektrotechniker, Schreiner oder Installateure stehen mit 92 Prozent an zufriedenen Betrieben an der Spitze. „Die Menschen investieren ins eigene Heim, es wird viel renoviert und energetisch saniert“, sagt Wagner. Eine verwandte Branche schneidet dagegen schlecht ab. Im Bauhauptgewerbe sind lediglich 67 Prozent der Maurer- und Zimmerunternehmen mit ihrer Geschäftslage zufrieden. Die Branche rangiert am Ende des Vergleichs. Hier geht es nicht um den Ausbau oder die Renovierung, sondern um den Neubau von Gebäuden. „Es gibt zu wenig Bauvorhaben, der soziale Wohnungsbau darbtund die vielen Milliarden Euro des Sondervermögens der Bundesregierung kommen bisher nicht bei den Betrieben an“, sagt Wagner. Er hofft, dass sich dies bald ändert und sich geplante Investitionen der Kommunen auch in Aufträgen niederschlagen: An Schulen und öffentlichen Gebäuden sei schließlich vieles marode. Dass bald neue Aufträge kommen, sei zentral für die spezialisierten Berufe im Bauhauptgewerbe: „Wir müssen verhindern, dass dort Leute entlassen werden. “ Gut kommt im Handwerk deshalb dasReformpaket der schwarz-roten Bundesregierungan. Ulrich Wagner, HWK: Minijob-Bereich wieder ins Lot bringen„Die Bundesregierung ist handlungsfähig, das ist ein Wert an sich“, sagt Wagner. Die Reformvorschläge bei derRenteseien ein Fortschritt: „Entscheidend ist, dass das Rentensystem zukunftssicher ist“, sagt er. Dass für die Einführung einer kapitalgedeckten Säule der Rentenbeitrag geringfügig steigen könnte, könne man dafür in Kauf nehmen. „Denn wenn stattdessen langfristig die Rentenbeiträge ins Uferlose steigen, wackelt das ganze System“, denkt er. „Für die Mitarbeiter im Handwerk ist es ein wichtiges Signal, dass sie nicht bis 75 arbeiten müssen, sondern mit 67,5 oder 68 Jahren Schluss ist“, fügt Wagner an. In körperlich anstrengenden Berufen müsse man Lösungen finden, dass Beschäftigte mit Attesten oder Gesundheitsprüfungen auch früher ohne zu große Abschläge in Rente gehen können. Dass die Bundesregierung die Minijobs überprüfen will, begrüßt das Handwerk. „Wir brauchen im Handwerk Vollzeitmitarbeiter, die Gas geben und voll in den Betrieb integriert sind“, sagt Wagner. „Es ist deshalb gut, dass man nachdenkt, den Minijob-Bereich ins Lot zu bringen“, sagt der Hauptgeschäftsführer, der auch weiß, dass Minijobs im Lebensmittelhandwerk eine Rolle spielen. Bei den Plänen füreine Attestpflicht im Krankheitsfall ab dem ersten Tagbegrüßt der Hauptgeschäftsführer, dass mehr Eigenverantwortung für die Betriebe entsteht. Attestpflicht im Krankheitsfall ab dem ersten Tag: Spielraum für Betriebe„Die Pläne zur Krankschreibung lassen Spielraum für betriebliche und tarifvertragliche Regelungen“, erklärt Wagner. „Gerade im Handwerk ist die Nähe zwischen Mitarbeitern und Inhabern groß, man kennt sich. Deshalb bin ich dafür, den Unternehmen diesen Spielraum zu geben. “ Bei allem Lob gibt es aber auch Kritik. „Bei den Steuerentlastungen hätte mehr passieren können, das war noch nicht der Befreiungsschlag“, sagt Wagner. Der Bund plant eine Entlastung vor allem kleiner und mittlerer Einkommen. Insgesamt geht es um zehn Milliarden Euro. Der Spitzensteuersatz von 42 Prozent soll statt derzeit bei 69. 879 Euro bei 70. 600 Euro greifen. „Dies ist der Satz, den auch ein inhabergeführter Handwerksbetrieb zu tragen hat“, verdeutlicht Wagner. Hier wäre eine größere Entlastung nötig, vor allem auch, um jüngere Menschen zu motivieren, die Leitung eines Handwerksbetriebs zu übernehmen. „Von 30. 000 Handwerksbetrieben in Schwaben erreichen bald 5000 bis 6000 Inhaber die Altersgrenze“, erläutert Wagner. „Es ist wichtig, dass sie erhalten bleiben. Deshalb muss es attraktiv sein für junge Menschen, Unternehmer zu werden“, sagt er. Bei den Absolventen hat das Handwerk zuletzt wieder deutlich an Attraktivität gewonnen. Rekord-Plus an neuen Ausbildungsverträgen: 13,5 Prozent mehr wollen ins HandwerkIm schwäbischen Handwerkgab es ein Rekord-Plus an neuen Ausbildungsverträgenfür das neue Lehrjahr im Herbst. Mit 1250 Verträgen sind von Januar bis Juni 13,5 Prozent mehr abgeschlossen worden als im Vorjahreszeitraum. „Das hat uns selbst überrascht“, sagt Wagner. „Die Bundesregierung ist handlungsfähig, das ist ein Wert an sich“, meint Ulrich Wagner, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Foto: Bernhard WeizeneggerIm schwäbischen Handwerk hat sich die Stimmung im zweiten Quartal aufgehellt. 82 Prozent der Betriebe bezeichnen ihre Lage als gut. Foto: Sebastian Gollnow, dpa