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Milliardenstreit bei Netzausbau: Reiche bremst – doch die Wirtschaft warnt vor gefährlichem Fehler

StartseiteWirtschaftMilliardenstreit bei Netzausbau: Reiche will bremsen – doch die Wirtschaft warnt vor folgenschweren FehlerStand:12. 08. 2026, 06:30 UhrKommentareUns auf Google folgenIst Deutschlands. . .

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Milliardenstreit bei Netzausbau: Reiche bremst – doch die Wirtschaft warnt vor gefährlichem Fehler

StartseiteWirtschaftMilliardenstreit bei Netzausbau: Reiche will bremsen – doch die Wirtschaft warnt vor folgenschweren FehlerStand:12. 08. 2026, 06:30 UhrKommentareUns auf Google folgenIst Deutschlands Stromnetz auf die Elektrifizierung vorbereitet? Eine Studie fordert mehr Netzausbau – Wirtschaftsministerin Reiche warnt vor unnötigen Milliardenkosten. Berlin –Deutschland soll elektrischer werden. Doch in welchem Ausmaß? Über diese Frage sind sich die Bundesregierung um Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Teile der Wirtschaft uneins. Und auch die Studienlage offenbart unterschiedliche Ergebnisse – mit unterschiedlichen Ansätzen. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche will die Energiewende besser steuern – und nicht unnötige Milliarden investieren. © Kay Nietfeld/dpaReiche bleibt bei Netzausbau zurückhaltend – die Wirtschaft läuft Sturm und fordert mehr KapazitätenUnter dem Brennglas lässt sich dieser Streit anhand von zwei Untersuchungen erklären. Auf der einen Seite steht Hitachi Energy, einer der weltweit führenden Stromnetzausrüster und seit Ende 2022 vollständig im Besitz des japanischen Hitachi-Konzerns. Eine von Hitachi Energy in Auftrag gegebene Systemstudie von Fraunhofer ISE, Fichtner IT Consulting und EY-Parthenon modelliert für 2045 je nach Szenario eine Endstromnachfrage zwischen 895 und 1. 016 Terawattstunden (TWh). Ausgangspunkt der Studie sind rund 487 Terawattstunden im Jahr 2025. Auf der anderen Seite gibt sich Reiche zurückhaltender in der Planung: Sie erwartet bis 2030 einen vergleichsweise langsameren Anstieg. Außerdem will die Wirtschaftsministerin denNetzausbau stärker an für sie realistischen Prognosenzum Bedarf und den daraus resultierenden Kosten ausrichten. Dabeigehört die Stromversorgung in Deutschlandheute zu den teuersten in Europa. Dort zahlten laut Eurostat Nicht-Haushaltskunden mit einem Verbrauch zwischen 500 und 2000 MWh im zweiten Halbjahr 2025 im Durchschnitt 22,64 Cent je Kilowattstunde. Im Vergleich mit anderen EU-Staaten war der Strom nur in Irland und auf Zypern teurer. Für Unternehmen, die von fossilen Brennstoffen wie Öl oder Gas künftig auf Strom umsteigen wollen, stellen die hohen Kosten eine große Hürde dar. Stromversorger rechnet bis 2045 mit einem steigenden Bedarf – und warnt vor zu wenig LeitungenGleichzeitig stößt das bestehende Netzsystem immer häufiger an seine Grenzen. Denn der aus Wind- und Solarenergie gewonnene Strom kann wegen fehlender Netzkapazitäten nicht immer bundesweit dorthin verteilt werden, wo er benötigt wird. Sind die Leitungen ausgelastet, müssen etwa Windräder im Norden heruntergeregelt und gleichzeitig andernorts Kraftwerke hochgefahren werden – häufig mit umweltbelastendem Gas oder Kohle. Diese sogenannten Redispatch-Maßnahmensowie die Reservehaltung von Kraftwerken kosteten 2025 rund drei Milliarden Euro. Die Hitachi-Studie betrachtet die mögliche Entwicklung in zwei Varianten – einem Stagnations- und einem Prosperitätsszenario. Bei ersterem soll die Nachfrage bis 2045 auf 895 Terawattstunden ansteigen. Sollte die Wirtschaft dagegen stärker wachsen und die Elektrifizierung schneller voranschreiten, rechnen die Wissenschaftler sogar mit 1. 016 TWh. Wirtschaftsministerin Reiche sieht niedrigeren Bedarf bis 2030 – und will explodierende Kosten deckelnIn beiden Fällen treiben E-Autos, Wärmepumpen, elektrische Industrien und Rechenzentren – zum Beispiel füreine deutsche oder europäische Künstliche Intelligenz– den Bedarf in die Höhe. Vor diesem Hintergrund warnt Hitachi-Chef Andreas Schierenbeck vor einer zu knappen Kalkulation durch Reiche, die dann die Elektrifizierung ausbremsen könnte: „Wir haben noch nicht mal das gebaut, was wir uns in Deutschland vor Jahren vorgenommen haben. Jetzt zu sagen, wir brauchen weniger, ist der falsche Weg. “Reiche blickt dagegen stärker auf das Risiko zu hoch angesetzter Erwartungen. Ein von ihrem Wirtschaftsministerium beauftragtes Monitoring des Energiewirtschaftlichen Instituts an der Universität zu Köln (EWI) und der Energieberatung BET kommt nach Auswertung verschiedener Szenarien für 2030 auf einen robusten Korridor von 600 bis 700 TWh Bruttostromverbrauch. Anfangs waren es 324 Milliarden Euro – inzwischen sind es rund 440 Milliarden Euro für den NetzausbauReiche selbst rechnet bis dahin eher mit etwa 600 bis 620 TWh. Vergleichen lassen sich die Werte aus der von Hitachi beauftragten Studie und dem Monitoring von EWI und BET allerdings nicht wirklich. Die Experten des Fraunhofer-Instituts und ihrer Partner betrachten dabei die Endstromnachfrage. Dennoch gehen beide Seiten von einem höheren Bedarf in den kommenden Jahren aus. Viel entscheidender ist allerdings die Frage, wie stark Deutschland beim Netzausbau in Vorleistung gehen soll. Genau darin liegt das eigentliche Dilemma: Hitachi warntvor einer zu knappen Netzplanung, wodurch die einzelnen Empfänger später nicht schnell genug versorgt und angeschlossen werden könnten. Reiche hält dem stärker die Kosten entgegen: Die Ableitungen aus dem Monitoring lauten, dass der Netzausbau Jahre dauern und Milliarden von Euro kosten könnte. Für Verbraucher und Unternehmen sollen dadurch unnötige Belastungen vermieden werden. Studie fordert mehr Speicher, flexible Verbraucher und mehr Effizienz statt blinde InvestitionenEWI und BET verweisen auf stark gestiegene Kosten:Im Netzentwicklungsplan von 2023rechneten die Übertragungsnetzbetreiber ursprünglich mit rund 324 Milliarden Euro. Im Juli 2025 bezifferten sie die Kosten für dieselben Maßnahmen bereits auf rund 440 Milliarden Euro – rund 116 Milliarden Euro mehr. Hinzu kommt der Investitionsbedarf für die kleineren Verteilnetze, die die Fabriken, Haushalte und sonstige Infrastrukturen mit Strom versorgen: Das Gutachten sieht hier Hinweise darauf, dass sich die Kosten bis 2045 auf 235 Milliarden Euro oder sogar mehr belaufen könnten. Deshalb setzen beide stärker auf Speicher, flexible Verbraucher und eine effizientere Nutzung bestehender Netze, um zusätzlichen Leitungsbau zumindest teilweise zu begrenzen. Ihr Argument: Selbst gelegentliche Redispatch-Eingriffe können in einigen Fällen wohl günstiger sein, als eine milliardenschwere Leitung zu bauen, die den größten Teil des Jahres nicht vollständig ausgelastet ist. Wirtschaft appelliert an Reiche, das Gesamtbild zu sehen: mehr Kosten, aber dafür auch mehr StromReiche will ein Netz,das so effizient wie möglich arbeitet. Die Hitachi-Studie zeigt allerdings deutlich, dass ein größeres Stromsystem trotz höherer Gesamtkosten nicht zwangsläufig höhere Kosten bedeutet. Es kommt immer auf den Wert je bereitgestellter Stromeinheit an. Im Szenario einer prosperierenden Wirtschaft steigen die jährlichen Stromsystemkosten von 93 Milliarden Euro im Jahr 2025 auf 197 Milliarden Euro im Jahr 2045. Weil gleichzeitig deutlich mehr Strom bereitgestellt wird, sinken allerdings die Stromsystemkosten von 171 auf 153 Euro je Megawattstunde. Bundesnetzagentur folgt den bisherigen Vorschlägen zum Netzausbau – zumindest vorläufigBei aller Kritik von Schierenbeck liefert die von Hitachi beauftragte Studie allerdings auch Argumente für Reiches zurückhaltenderen Kurs: Im Stagnationsszenario fällt der zusätzlich benötigte Ausbau der Übertragungsnetzkapazität um 38 Prozent geringer aus als im Prosperitätsszenario. Eine deutliche Diskrepanz also, wenngleich das Modell keinekonkreten Angaben zur Infrastruktur oder den Stromtrassen macht. Ganz ohne weitere Leitungen kommt allerdings auch dieses Szenario nicht aus. Außerdem hat der Bund den Ausbau des Netzes keineswegs gestoppt: Von den 159 Maßnahmen, die die Übertragungsnetzbetreiber beim Netzentwicklungsplan vorgeschlagen haben, hält die Bundesnetzagentur 118 für „vorläufig bestätigungsfähig“ – das gilt auf bürokratischer und regulatorischer Ebene zumindest als Etappenerfolg. Wie viele folgen, ist noch immer offen. Die Behörde wertet derzeit alle Ergebnisse ihrer Prüfungen aus. (Quellen: Hitachi Energy, Fraunhofer ISE, Fichtner IT Consulting, EY-Parthenon, EWI, BET, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Eurostat, Bundesnetzagentur)(msw).

Quelle: kreiszeitung.de

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