Neue Rubrik: Mit „Stocki“ auf die Börse geschaut
Unsere Plattform erreicht jeden Monat sehr viele Leserinnen und Leser. Dadurch melden sich bei uns immer wieder Menschen mit spannenden Ideen und der Frage, ob sie eigene Beiträge bei uns veröffentlichen können. Grundsätzlich sagen wir dazu gerne Ja – vorausgesetzt, die Artikel sind fachlich fundiert, verständlich geschrieben und passen inhaltlich zu unserer Plattform. Ein Thema […]

Unsere Plattform erreicht jeden Monat sehr viele Leserinnen und Leser. Dadurch melden sich bei uns immer wieder Menschen mit spannenden Ideen und der Frage, ob sie eigene Beiträge bei uns veröffentlichen können. Grundsätzlich sagen wir dazu gerne Ja – vorausgesetzt, die Artikel sind fachlich fundiert, verständlich geschrieben und passen inhaltlich zu unserer Plattform. Ein Thema haben wir bislang allerdings kaum behandelt: Aktien, Börse und Geldanlage. Das möchten wir nun ändern und uns diesem Bereich Schritt für Schritt nähern – gemeinsam mit einem Experten, der beruflich bei einer uns bekannten Bank tätig ist und sich seit vielen Jahren mit den Finanzmärkten beschäftigt. Da wir auf unserer Plattform keine Werbung für Unternehmen oder Finanzinstitute machen, werden wir weder den Namen der Bank noch den vollständigen Namen unseres Gesprächspartners nennen. Unseren Aktienexperten nennen wir deshalb ganz einfach:Stocki. Mit Stocki möchten wir künftig regelmäßig über Entwicklungen an den Börsen, interessante Branchen und mögliche Chancen, aber auch über Risiken sprechen. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, einzelne Aktien blind zum Kauf zu empfehlen. Vielmehr wollen wir Zusammenhänge erklären, unterschiedliche Entwicklungen einordnen und unseren Leserinnen und Lesern einen verständlichen Einstieg in die Welt der Börse ermöglichen. Heute haben wir mit Stocki darüber gesprochen, welche Branchen und Aktien im August besonders interessant sein könnten, welche wirtschaftlichen und politischen Faktoren Anleger im Blick behalten sollten und warum an der Börse nicht jede gute Geschichte automatisch auch eine gute Geldanlage ist. Wichtiger Hinweis:Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung oder Kaufempfehlung dar. Aktienkurse können stark schwanken. Jede Anlageentscheidung sollte eigenverantwortlich und unter Berücksichtigung der persönlichen finanziellen Situation getroffen werden. Siemens Energy: Spannend, aber nichts für schwache NervenRedaktion:Welche deutsche Aktie steht bei Ihnen weit oben auf der Beobachtungsliste?Stocki:Siemens Energy ist im August besonders interessant. Das Unternehmen legt am 5. August seine Zahlen für das dritte Geschäftsquartal vor. Bereits nach dem zweiten Quartal wurde der Ausblick für das Geschäftsjahr 2026 angehoben. Siemens Energy erwartet nun eine Ergebnismarge vor Sondereffekten von 14 bis 16 Prozent, einen Nettogewinn von ungefähr vier Milliarden Euro und einen freien Cashflow vor Steuern von rund acht Milliarden Euro. Das spricht dafür, dass vor allem das Geschäft mit Stromnetzen und Gasturbinen stark läuft. Gleichzeitig darf man die Probleme und finanziellen Risiken bei der Windkrafttochter Siemens Gamesa nicht vergessen. Redaktion:Also kaufen?Stocki:Nicht blind vor den Quartalszahlen. Bei einer Aktie, an die bereits hohe Erwartungen gestellt werden, kann selbst ein gutes Ergebnis zu wenig sein. Siemens Energy ist für mich eine interessante Wachstumsaktie, aber keine gemütliche Schlafwagenanlage. ASML: Die Schaufeln für den KI-GoldrauschRedaktion:Bleiben Halbleiteraktien interessant?Stocki:Ja, allerdings würde ich nicht nur auf die bekannten Chipentwickler schauen. ASML liefert die hochkomplexen Lithografieanlagen, die für die Produktion moderner Halbleiter benötigt werden. Man könnte sagen: Während andere nach digitalem Gold graben, verkauft ASML einen großen Teil der dafür notwendigen Schaufeln. Im zweiten Quartal erzielte ASML einen Umsatz von 9,3 Milliarden Euro und einen Nettogewinn von rund 2,9 Milliarden Euro. Für das dritte Quartal erwartet das Unternehmen einen Umsatz zwischen elf und zwölf Milliarden Euro. Die Umsatzprognose für das Gesamtjahr wurde auf 43 bis 45 Milliarden Euro angehoben. Redaktion:Wo liegen die Gefahren?Stocki:Das Geschäft hängt stark von den Investitionsplänen großer Chiphersteller ab. Hinzu kommen Exportbeschränkungen, geopolitische Konflikte und mögliche Verzögerungen bei Kundenbestellungen. ASML nennt diese Punkte selbst als wesentliche Risiken. Für langfristig orientierte Anleger bleibt ASML dennoch eine der interessantesten europäischen Technologieaktien. „Interessant“ bedeutet allerdings nicht automatisch „günstig“. Allianz: Weniger Spektakel, mehr SubstanzRedaktion:Gibt es auch etwas für Anleger, die nicht jeden Morgen nervös auf den Kurs schauen möchten?Stocki:Hier kommt die Allianz ins Spiel. Versicherungsaktien sind selten der große Partykracher im Depot, können aber stabile Gewinne und regelmäßige Ausschüttungen liefern. Die Allianz erzielte im ersten Quartal 2026 einen operativen Gewinn von rund 4,5 Milliarden Euro. Die Solvency-II-Quote lag bei starken 221 Prozent. Für das Gesamtjahr erwartet der Konzern einen operativen Gewinn von 17,4 Milliarden Euro, wobei eine Abweichung von einer Milliarde Euro nach oben oder unten einkalkuliert ist. Die Halbjahreszahlen erscheinen am 7. August. Redaktion:Was könnte schiefgehen?Stocki:Große Naturkatastrophen können das Schaden- und Unfallgeschäft belasten. Auch schwache Kapitalmärkte können sich auf die Vermögensverwaltung auswirken. Insgesamt ist die Allianz für mich aber eine der solideren Aktien auf dieser Liste. Nvidia: Fantastisches Wachstum und gewaltige ErwartungenRedaktion:Kommen wir am großen Namen Nvidia überhaupt vorbei?Stocki:Nein. Nvidia bleibt das Unternehmen, an dem sich der gesamte KI-Boom messen lassen muss. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 stieg der Umsatz um 85 Prozent auf 81,6 Milliarden Dollar. Allein das Rechenzentrumsgeschäft brachte 75,2 Milliarden Dollar ein. Die nächsten Quartalszahlen werden am 26. August veröffentlicht. Redaktion:Dann scheint die Sache doch eindeutig zu sein. Stocki:Genau das macht mich vorsichtig. Wenn ein Unternehmen derart schnell wächst, erwartet der Markt nicht einfach gute Zahlen, sondern regelmäßig außergewöhnliche Zahlen. Nvidia prognostiziert für das zweite Quartal einen Umsatz von rund 91 Milliarden Dollar. In dieser Prognose sind keine Umsätze mit Rechenzentrumschips in China enthalten. Nvidia bleibt eine der spannendsten Aktien der Welt. Sie ist aber auch ein gutes Beispiel dafür, dass ein hervorragendes Unternehmen nicht zu jedem Preis ein hervorragendes Investment sein muss. Rheinmetall: Volle Auftragsbücher, aber keine risikolose AktieRedaktion:Ist der Verteidigungssektor weiterhin interessant?Stocki:Rheinmetall bleibt aus wirtschaftlicher Sicht bemerkenswert. Nach vorläufigen Zahlen stieg der Umsatz im zweiten Quartal um rund 69 Prozent auf etwa 3,29 Milliarden Euro. Der operative Gewinn erreichte 562 Millionen Euro und lag damit fast 20 Prozent über den zuvor genannten Markterwartungen. Der Auftragsbestand überschritt die Marke von 80 Milliarden Euro. Die vollständigen Halbjahreszahlen folgen am 6. August. Redaktion:Das klingt nahezu perfekt. Stocki:Perfekte Aktien gibt es nur rückblickend. Rheinmetall erwartet für das zweite Quartal einen deutlich negativen operativen freien Cashflow, unter anderem wegen verschobener Anzahlungen, steigender Forderungen und des Aufbaus von Lagerbeständen. Außerdem hängt das Geschäft stark von politischen Entscheidungen und staatlichen Verteidigungsausgaben ab. Hinzu kommt die persönliche Frage, ob man überhaupt in einen Rüstungskonzern investieren möchte. Diese ethische Entscheidung kann keine Bilanzanalyse ersetzen. Novo Nordisk: Eine Wette auf die nächsten ZahlenRedaktion:Welche Aktie könnte für mutigere Anleger interessant sein?Stocki:Novo Nordisk gehört auf die Beobachtungsliste. Der Markt für Diabetes- und Adipositasmedikamente besitzt weiterhin enormes wirtschaftliches Potenzial. Gleichzeitig ist der Wettbewerb hart, und bei Pharmaunternehmen können Studienergebnisse, Produktionsprobleme oder neue Konkurrenzprodukte heftige Kursbewegungen auslösen. Novo Nordisk veröffentlicht am 5. August seine Ergebnisse für das erste Halbjahr. Daher würde ich hier nicht einfach vor den Zahlen auf einen schnellen Kurssprung wetten. Entscheidend werden das Wachstum der wichtigsten Medikamente, die Produktionskapazitäten, der Ausblick und die Entwicklung der Forschungspipeline sein. Welche Aktie wäre Stockis Favorit?Redaktion:Sie müssen sich entscheiden: Welche Aktie finden Sie im August am überzeugendsten?Stocki:Das hängt vom Anlegertyp ab. Für eher vorsichtige Anleger erscheint mir die Allianz am ausgewogensten. Wer langfristig auf Halbleiter und künstliche Intelligenz setzen möchte, sollte ASML näher betrachten. Siemens Energy bietet hohe Chancen, besitzt aber auch ein größeres Rückschlagspotenzial. Nvidia bleibt die Wachstumsmaschine, bei der bereits sehr viel Zukunft erwartet wird. Rheinmetall ist wirtschaftlich stark, politisch und ethisch jedoch ein Sonderfall. Novo Nordisk ist derzeit eher eine spekulative Beobachtungsposition. Redaktion:Und was sollten Einsteiger beachten?Stocki:Nicht alles auf eine Aktie setzen, nicht aus Angst vor dem Verpassen kaufen und nicht das gesamte Geld unmittelbar vor Quartalszahlen investieren. Ein schrittweiser Einstieg reduziert das Risiko, ausgerechnet am kurzfristigen Höchststand zu kaufen. Für Börsenanfänger kann ein breit gestreuter Aktien-ETF vernünftiger sein als eine Sammlung vermeintlich heißer Einzeltipps. Wer einzelne Unternehmen auswählt, sollte bereit sein, Geschäftsberichte zu lesen und auch deutliche Kursverluste auszuhalten. Stockis August-BeobachtungslisteEher defensiv:AllianzEuropäische Technologie:ASMLEnergie und Stromnetze:Siemens EnergyKünstliche Intelligenz:NvidiaVerteidigung:RheinmetallSpekulative Gesundheitsaktie:Novo NordiskAbschließender HinweisDie genannten Aktien können steigen, aber ebenso deutlich fallen. Vergangene Kursentwicklungen und gute Unternehmensergebnisse garantieren keine zukünftigen Gewinne. Vor einer Anlageentscheidung sollten die persönliche finanzielle Situation, der Anlagehorizont und die eigene Risikobereitschaft berücksichtigt werden.