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Rentenversicherung: Debakel für Wirtschaft und weniger Netto vom Brutto

Schreiben der Deutschen Rentenversicherung. Foto: Claudio Kummerfeld/Finanzmarktwelt. deDie sogenannteAlterssicherungs­kommissionhat heute ihre Empfehlungen an die Bundersregierung übergeben, um die. . .

Von @ClaudioFMW · · 5 min Lesezeit

Rentenversicherung: Debakel für Wirtschaft und weniger Netto vom Brutto

Schreiben der Deutschen Rentenversicherung. Foto: Claudio Kummerfeld/Finanzmarktwelt. deDie sogenannteAlterssicherungs­kommissionhat heute ihre Empfehlungen an die Bundersregierung übergeben, um die Rentenversicherung angeblich dauerhaft solide aufzustellen. Bundeskanzler Friedrich Merz und Ministerin Bärbel Bas haben sofort angekündigt, alle Vorschläge der Kommission umsetzen zu wollen. Wenn man davon ausgeht, dass die beiden alles durch den Bundestag bringen, dann haben wir heute schon gesehen, was auf Bürger und Unternehmen zukommt. Höhere Kosten, weniger Netto vom Brutto, mehr Regulierung, weniger Freiheit, ein Schlag gegen den Wirtschaftsstandort Deutschland! 30 Vorschläge hatte die von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission erarbeitet. Hier werfen wir einen Blick auf die wichtigsten Resultate. Friedrich Merz: „Wir setzen das, was uns die Kommission vorgeschlagen hat, jetzt um!“pic. twitter. com/u3n9ub2NmS— CDU Deutschlands (@CDU)June 23, 2026Rentenversicherung: Beiträge kräftig rauf für Ansparen am KapitalmarktDer Beitrag zur Rentenversicherung soll stabil gehalten werden, so lautete bislang der „clevere“ verbale Schachzug der Politik. Dass der Beitrag insgesamt aber kräftig steigen soll? Das will man so lieber nicht erwähnen. Deswegen werden die deutlich steigenden Kosten als „Zusatzbeitrag“ präsentiert. Aktuell werden vom Bruttogehalt 18,6 % in die Rentenversicherung eingezahlt. Dieses Geld, was hälftig von Arbeitgeber und Arbeitnehmer getragen wird (kann man so oder so sehen), fließt sofort und vollständig in die Auszahlung an aktuelle Rentner. Angespart wird also bislang gar nichts. Jetzt soll aber ein „Schweden-Modell“ hinzukommen, nämlich das private reale Ansparen am Kapitalmarkt. Das ist grundsätzlich eine gute Sache. Aber als Zwang? In staatlich verwaltete Fonds einzahlen – wäre das nicht tausendmal besser bei privaten ETF-Anbietern angelegt? Aber gut, nun wird es so kommen. Der Staat wird über die Rentenversicherung Geld am Kapitalmarkt anlegen, damit hoffentlich durch Zinseszinseffekt, Dividenden und Kursgewinne bei Aktien in Zukunft viel bessere Rentenniveaus erreicht werden können. Satte 2 Prozentpunkte Zusatzbeitrag sollen auf die 18,6 % oben drauf kommen! Also zahlt der Arbeitgeber demnächst deutlich mehr Sozialversicherungsbeiträge on Top auf das Gesamtgehalt, und beim Arbeitnehmer kommt noch weniger Netto an als bisher!Rente mit 63 abschaffenDie sogenannte „Rente mit 63“ soll abgeschafft werden. Sie ermöglicht es bislang bei mindestens 45 Beitragsjahren zwei Jahre vor dem Regeleintrittsalter ohne Abschläge in den Vorruhestand zu gehen. Und die Grenze für Altersteilzeit soll von derzeit 55 auf 58 Jahre angehoben werden. Kommentar meinerseits: Beides sinnvolle, akzeptable Maßnahmen. Regelaltersgrenze wird erhöhtDie Regelaltersgrenze für den Eintritt in die Rente soll nach 2031 an die Lebenserwartung angepasst werden. Der Renteneintritt würde wahrscheinlich zwischen 2031 und 2041 schrittweise um etwa sechs Monate von 67 auf 67,5 Jahre angehoben werden. In den Jahren danach dürfte es weiter aufwärts gehen, je nachdem wie sich die Lebenserwartung entwickelt. Selbständige sollen in Rente einzahlenDas Mega-Desaster für den Wirtschaftsstandort Deutschland und vor allem für neue Firmengründer! Neue Selbständige sollen zukünftig in die Rentenversicherung zwangsweise einzahlen, wie Arbeitnehmer auch. Ebenso sollen Abgeordnete und Vorstände von Aktiengesellschaften einzahlen müssen. Was aus Sicht links-grüner Kreise gut klingt (die bösen Kapitalisten sollen auch endlich einzahlen), ist aber langfristig ein großes Problem. Denn zwar hat man auf einen Schlag viele neue Beitragszahler, was die Rentenversicherung auf kurze Sicht besser da stehen lässt. Aber auf lange Sicht wird ja auch die Zahl der Rentenempfänger damit deutlich erhöht. Die Auszahlungssummen der Rentenkasse werden dann in Zukunft noch dramatischer ansteigen. Und hier und jetzt bedeutet es: Selbständige haben Monat für Monat deutlich höhere Kosten, was gerade am Anfang einer Selbständigkeit ein Problem darstellen kann. Jeder Stein, den der Staat Selbständigen in den Weg legt, dämpft die Euphorie bei Aufbau neuer Firmen, und erhöht die Chance, dass die Gründer lieber im Ausland gründen!Minijobs fallen wegDie sogenannten Minijobs (bis zu 603 Euro pro Monat) fallen zukünftig de facto weg. Die Minijobber sollen zukünftig ohne „Opt-out-Möglichkeit“ in die Rentenversicherung einzahlen. Nur bei Schülern soll es eine Ausnahme geben. Fazit: Ein DebakelEine große, umfassende Rentenreform, die ein komplett neues und nachhaltiges Rentensystem hervorbringt, ist dieses Maßnahmenpaket nicht. Es ist eher ein Herumdoktern an Symptomen, ohne die Krankheit zu heilen. Das Rentensystem ist schon lange kaputt, die Bundeszuschüsse zur Rentenkasse liegen längst weit über 100 Milliarden Euro jährlich. Durch diese Maßnahmen erkauft sich der Staat (wie schon früher) mal wieder ein paar Jahre Zeit. Man erhält neue Einzahler, was erst einmal die Schmerzen im System lindert, die Probleme aber nicht abstellt. Zur de facto Abschaffung der Minijobs: Ein Desaster! Gerade dieses Instrument half vielen Arbeitnehmern, bequem und flexibel etwas Geld zu verdienen. Arbeitgeber konnten Lücken stopfen. Jetzt wird das wegfallen, der Arbeitsmarkt und die Volkswirtschaft wird damit deutlich unflexibler werden. Und viele dieser Jobs dürften wohl in die Schwarzarbeit abwandern!Und die höheren Rentenbeiträge für die kapitalgedeckte zusätzliche Altersvorsorge? Arbeitgeber zahlen zukünftig mehr, Arbeitnehmer erhalten Netto noch weniger vom Brutto als bisher. Alle verlieren. Damit wird der Wirtschaftsstandort Deutschland noch unattraktiver. Dass Kanzler Merz dieses Maßnahmenpaket so begeistert durchwinkt – unfassbar!Über den RedakteurClaudio KummerfeldCapital Markets RedakteurClaudio Kummerfeld verfügt über langjährige Kapitalmarkterfahrung. Er berichtet als Finanzjournalist über aktuelle Marktereignisse. Dazu kommentiert er politische und wirtschaftliche Themen. Kommentare lesen und schreiben, hier klicken

Quelle: finanzmarktwelt.de

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