Wirtschaft gegen Reservedienst-Pflicht: „Kann Betriebe erheblich stören"
StartseiteLokalesSchwalmstadtSchwalmstadtStand:05. 08. 2026, 17:02 UhrKommentareUns auf Google folgenReservisten trainieren bei einer Ausbildung in der Georg-Friedrich-Kaserne in Fritzlar die. . .

StartseiteLokalesSchwalmstadtSchwalmstadtStand:05. 08. 2026, 17:02 UhrKommentareUns auf Google folgenReservisten trainieren bei einer Ausbildung in der Georg-Friedrich-Kaserne in Fritzlar die Verwundetenversorgung. Das Training fand im Rahmen der freiwilligen Reservistenarbeit statt. © Kleps, SilviaDas Verteidigungsministerium plant das Ende der „Doppelten Freiwilligkeit" für Reservisten. Die IHK Kassel-Marburg fordert drei Monate Vorlauf. Schwalm-Eder – Die Ankündigung des Endes der „Doppelten Freiwilligkeit“ für den Reservedienst wird bei der Industrie- und HandelskammerKassel-Marburg und der Kreishandwerkerschaft Schwalm-Eder mit Skepsis aufgenommen. Der Reservistenverband verteidigt die Pläne des Verteidigungsministeriums. Fachkräfte sind in vielen Bereichen schon heute knappDie nordhessische Wirtschaft stehe zur Stärkung der Reserve. Aber das Gesetz muss praxistauglich sein, so Thomas Rudolf, stellvertretender Hauptgeschäftsführer: „Verteidigungsfähigkeit und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. “Gerade in den Bereichen, die auch für dieBundeswehrwichtig sind, seien Fachkräfte schon heute knapp: Technik, Industrie, Logistik, IT und sicherheitsrelevante Tätigkeiten. Dort würden Bundeswehr und Wirtschaft zunehmend um dieselben Menschen konkurrieren. „Wenn ein Betrieb in solchen Bereichen kurzfristig auf eine Schlüsselperson verzichten muss, kann das den Ablauf erheblich stören“, gibt Rudolf zu bedenken. Betriebe brauchen Zeit, um Ersatz zu organisierenAus Sicht der Wirtschaft sei deshalb eine Pflicht zum Reservedienst nicht der überzeugendste Weg. „Die Reserve muss gestärkt werden, ja. Aber das sollte vor allem über mehr Attraktivität, Verlässlichkeit und gute Kooperation zwischen Bundeswehr und Unternehmen geschehen. Nicht über zusätzliche Unsicherheit in ohnehin angespannten Personalplanungen“, betont der stellvertretende Hauptgeschäftsführer und stellt klare Forderungen. Wichtig wäre aus Sicht der IHK, dass Heranziehungen mindestens drei Monate vorher angekündigt werden. Betriebe würden diese Zeit brauchen, um Ersatz zu organisieren, Schichten umzustellen oder Termine mit Kunden neu zu planen. Kosten Verzögerungen und Mehrarbeit sind die FolgenAußerdem müssten Erstattungen für Ersatzkräfte und Unterstützungsleistungen für kleinere Unternehmen so bemessen sein, dass sie zur Realität am Arbeitsmarkt passen, so Thomas Rudolf: „Wer heute kurzfristig qualifizierten Ersatz sucht, weiß, wie schwierig und teuer das ist. “Wolfgang Scholz, Geschäftsführer bei der Kreishandwerkerschaft Schwalm-Eder, sieht auch praktische Probleme: „Trotz Übernahme der Kosten entstehen Verzögerungen und Mehrarbeiten für die verbliebenen Kollegen. Besonders bei Terminarbeiten kann das teure Vertragsstrafen nach sich ziehen. “Zudem seien viele Handwerker auch ehrenamtlich, zum Beispiel in der Feuerwehr, aktiv und helfen auf Abruf, den Brandschutz in ihrem Heimatort sicherzustellen. „Es wäre bedauerlich, wenn durch die neue Zwangsregelung freiwillige Aktivitäten wie der Brandschutz dann zur Disposition stehen“, gibt Scholz zu bedenken. Reservistenverband wirbt um VerständnisDer Deutsche Reservistenverband wirbt angesichts der sich verändernden sicherheitspolitischen Landschaft um Verständnis. Das Reservestärkungsgesetz schaffe den rechtlichen Rahmen für den Reservedienst. „Für Reservistinnen und Reservisten bedeutet das Planbarkeit mit Blick auf Beruf und Familienleben, auch die Truppenteile gewinnen eine verlässliche Verfügbarkeit. “Bisher sei es so gelaufen, dass beispielsweise eine Übung einer Heimatschutzkompanie geplant wurde und die Reservisten, die in jener Kompanie beordert sind, angefragt wurden. Schutz ist auch im Interesse von UnternehmenDie Reservisten waren auch bei diesen grundlegenden Übungen auf das Wohlwollen ihrer Arbeitgeber angewiesen. Das sei in Teilen nachvollziehbar, sagt ein Sprecher des Verbands. „Jedoch sollte es vor allem im Interesse der Unternehmen sein, dass unsere Gesellschaft und damit auch unsere Art zu wirtschaften notfalls von Frauen und Männern beschützt werden, die dies freiwillig und als Reservistinnen bzw. als Reservisten tun. “Es sei für den Verband nicht nachvollziehbar, dass ein Land mit einer Bevölkerung von mehr als 80 Millionen Menschen es nicht schaffe, 200. 000 Reservisten in Übung zu halten. Reservisten müssten verlässlich üben können, um Deutschland im Ernstfall als Teil der Bundeswehr schützen zu können, betont der Sprecher des Reservistenverbands: „Das sollte in unser aller Interesse sein. “