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Wirtschaft: Gescheitert, neu gestartet, aufgestiegen – diese Lothringerin führt Ropimex in Neunkirchen

Rachel Wagner kommt aus Lothringen und leitet die Neunkircher Firma Ropimex mit rund 40 Mitarbeitern. Begonnen hat sie dort am Telefon, im Kundendienst, trotz Sprachbarriere. Ihr Aufstieg zeigt, welche Bedeutung Mut und Beharrlichkeit im Beruf haben.

Von Hélène Maillasson · · 5 min Lesezeit

Wirtschaft: Gescheitert, neu gestartet, aufgestiegen – diese Lothringerin führt Ropimex in Neunkirchen

SaarlandSaar-WirtschaftWirtschaftGescheitert, neu gestartet, aufgestiegen – diese Lothringerin führt Ropimex in NeunkirchenNeunkirchen·Rachel Wagner kommt aus Lothringen und leitet die Neunkircher Firma Ropimex mit rund 40 Mitarbeitern. Begonnen hat sie dort am Telefon, im Kundendienst, trotz Sprachbarriere. Ihr Aufstieg zeigt, welche Bedeutung Mut und Beharrlichkeit im Beruf haben. 20. 07. 2026 , 11:00 UhrRachel Wagner ist Geschäftsführerin des Unternehmens Ropimex in Neunkirchen. Foto: RopimexIhre beeindruckende berufliche Laufbahn begann mit einem Scheitern, das sie eiskalt erwischte. Rachel Wagners Traumjob war es, als Diätassistentin im Krankenhaus zu arbeiten. „Es war eine Umgebung, die mich immer fasziniert hat, in der ich mich wohlfühle und wo ich das Gefühl habe, etwas Sinnvolles zu bewirken“, sagt sie. Das hatte sie während der Praktika ihres dualen Studiums in Straßburg festgestellt. Doch als sie bei der Abschlussprüfung durchfiel, war klar: Den Traumjob kann sie erst mal vergessen. „Ich hatte finanziell nicht die Möglichkeit, das Jahr zu wiederholen und länger meinen Lebensunterhalt in Straßburg zu stemmen“, erzählt sie. Also ging’s zurück ins Elternhaus nach Freyming-Merlebach in Lothringen. Zweites Studium erfolgreich abgeschlossenIm zweiten Anlauf begann sie ein neues duales Studium im Bereich Vertrieb – in einem Betrieb, der medizinisches Material an Kliniken und Arztpraxen verkauft. Unter anderem auch Produkte der saarländischen Firma Ropimex ausNeunkirchen. „Deren Leiterin für Export sprach Französisch, wir haben uns auf Anhieb super verstanden, und ich fand die Produkte auch spannend“, erinnert sich Rachel Wagner. Ropimex produziert Sichtschutzsysteme für Krankenhäuser, Arztpraxen oder auch Altenheime. Für Wagner ist das saarländische Unternehmen zu diesem Zeitpunkt aber nur ein Kunde unter vielen. Wechsel nach DeutschlandDer neue Anlauf hat sich gelohnt, Wagner wird nach erfolgreich abgeschlossenem Studium in der Firma übernommen. „Die Arbeit dort machte mir viel Spaß. Ich habe viele Menschen kennengelernt, war in ganz Frankreich bei Kunden und Vertriebspartnern unterwegs“, berichtet sie. Doch nach rund drei Jahren wurden ihr die Kilometer zu viel. Sie habe sich nach etwas mehr Stabilität gesehnt. Als sie das bei einem Gespräch mit ihrer Bekannten erwähnt, die bei Ropimex arbeitet, schlägt ihr diese vor, zum saarländischen Unternehmen zu wechseln. „Ich kannte die Firma, die Atmosphäre dort und wusste, dass ich mich wohlfühlen würde. Ich kannte auch die Produkte. Doch ich konnte kaum Deutsch, wie sollte ich in Deutschland arbeiten?“, sagt sie. Sie zögert, doch nicht allzu lange. „Ich bin eine Macherin, und ich nehme gerne Herausforderungen an“, sagt Wagner. 2005 fängt sie bei Ropimex an und pendelt seitdem zwischen Oeting in Lothringen und Neunkirchen. Zuerst als Kundenberaterin. Relativ schnell wird sie im Kundendienst ans Telefon gesetzt. „Zu Beginn war es für mich unglaublich schwierig. Ich kannte zwar alle Produkte auswendig – auf Französisch. Da musste ich mich auf Deutsch erst reinfuchsen. Die Kunden kamen aber nicht nur aus dem Saarland, sondern aus ganz Deutschland. Wenn jemand aus Bayern angerufen hat, habe ich oft nichts verstanden“, sagt sie. Von Kundenberaterin zur GeschäftsführerinAufgeben ist aber keine Option. Rachel Wagner beißt sich durch, ihre Kollegen unterstützen sie dabei. Ihre Wissbegier zahlt sich aus. Von der Kundenberaterin wird sie zur Export-Assistentin. Nach einem Jahr in der Firma wird sie mit ihrem ersten Kind schwanger. Das Ende ihres Aufstiegs ist es aber nicht. Sie wird nicht aufs Abstellgleis gestellt, sondern weiter unterstützt. „Das Unternehmen kam mir mit flexiblen Arbeitszeiten entgegen, ich habe weiter 100 Prozent gegeben und nie aufgehört, Neues zu lernen“, sagt sie. Sie wohnt weiterhin im lothringischen Oeting, spricht aber mittlerweile fließend Deutsch. Als die Stelle der Export-Leiterin frei wird, wird sie dahin befördert. Seit vier Jahren ist Rachel Wagner die Geschäftsführerin von Ropimex. Der Wechsel an diese Position kam nicht von heute auf morgen. „Der bisherige Geschäftsführer Rolf Zimmermann und seine Frau, die ebenfalls im Unternehmen tätig war, haben sich frühzeitig überlegt, wie die Unternehmensnachfolge aussehen könnte“, berichtet Wagner. „Als sie mir den Vorschlag machten, die Geschäfte zu übernehmen, war ich nervös und begeistert zugleich. Natürlich war der Druck hoch, den Erfolg der Firma fortzusetzen. Aber ich wusste, ich werde hier nicht ins kalte Wasser geworfen, sondern in diesem Prozess begleitet. Ich habe ihnen vertraut, und sie haben mir vertraut“, fasst Rachel Wagner zusammen. Übergangsphase mit Hilfe des Vorgängers„Management liegt mir. Ein Team zu führen, ein Projekt von A bis Z zu entwickeln: Das kann ich, und das muss man als Chefin von rund 40 Mitarbeitern auch können“, sagt sie. Was ihr fehlte, zum Beispiel tiefe Kenntnisse im Bereich der Finanzen, lernte sie an der Seite ihres Vorgängers. „Wir saßen stundenlang zusammen. Er brachte mir bei, wie man eine Bilanz richtig liest, wie eine Kalkulation zustande kommt“, gibt sie Beispiele. Als sie die Geschäfte vollständig übernahm, fühlte sie sich dazu bestens in der Lage. „Ich habe zwar keinen BWL-Abschluss von einer renommierten Uni, dass ich aber hier im Betrieb von der Pike auf gelernt habe, war der größte Vorteil“, sagt sie. Auch im Umgang mit ihren Mitarbeitern. Denn einfach ist es nicht unbedingt, wenn die Kollegin auf einmal als Chefin fungiert. „Die Belegschaft hat toll reagiert. Sie haben sich gefreut, dass jemand das Geschäft übernimmt, der alle Abteilungen, alle Produkte kennt. Jemand aus ihren Reihen und nicht von außen“, erzählt die 47-Jährige. Natürlich sei es wichtig, in dieser Position auch eine gewisse professionelle Distanz zu wahren. Denn manchmal müssten auch unangenehme Gespräche geführt werden. „Das ist aber in jedem Unternehmen so. Entscheidend ist der Respekt. Der, den mir die Mitarbeiter entgegenbringen und andersrum“, sagt Wagner. (jos)

Quelle: saarbruecker-zeitung.de

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