Wirtschaft Havelland: 6554 Jobs in 25 Jahren – WFBB-Bilanz
Die Wirtschaftsförderung Brandenburg hat zum 25-jährigen Bestehen eine Zwischenbilanz für dieWirtschaft im Havellandgezogen. Die Zahl dahinter ist beachtlich: 6554 Arbeitsplätze in 444 Unternehmensprojekten,. . .

Die Wirtschaftsförderung Brandenburg hat zum 25-jährigen Bestehen eine Zwischenbilanz für dieWirtschaft im Havellandgezogen. Die Zahl dahinter ist beachtlich: 6554 Arbeitsplätze in 444 Unternehmensprojekten, die die Agentur seit 2001 nach eigenen Angaben aktiv begleitet hat. Dazu kommt ein Investitionsvolumen von rund 1,75 Milliarden Euro. WFBB-Geschäftsführer Steffen Kammradt nennt den Landkreis einen „Brandenburger Wachstumsstar“. Für Beschäftigte, Pendler und Unternehmen heißt das: Logistik, Bahntechnik und spezialisierte Industrie ziehen weiter Investitionen an. Die amtliche Lohnstatistik zeigt aber auch, dass Beschäftigungsaufbau und Einkommen im Kreis nicht im selben Tempo wachsen. 6554 Jobs und 1,75 Milliarden Euro: die WFBB-BilanzDie WFBB feiert 2026 ihr 25-jähriges Bestehen. Gegründet wurde sie 2001, damals noch als ZAB ZukunftsAgentur Brandenburg. Seither hat die Agentur im Havelland nach eigenen Angaben 444 Unternehmensprojekte unterstützt. Damit verbunden sind 6554 Arbeitsplätze und Investitionen von 1746,6 Millionen Euro. Hinzu kommen 622 Beratungen zu Fach- und Arbeitskräften. Kammradt hebt vor allem den breiten Branchenmix hervor. Genau darin liege die große Stärke des Landkreises, so der Geschäftsführer. Logistik im Havelland: GVZ Wustermark als WachstumsmotorEin großer Teil der Dynamik geht auf die Logistik zurück. Nach Angaben der WFBB zählt das GVZ Berlin West in Wustermark/Brieselang zu den besten Güterverkehrszentren Deutschlands und hat sich in den Top 20 der europäischen Logistikstandorte etabliert. Die Liste der Ansiedlungen ist lang. 2013 kam ein Rossmann-Logistikzentrum mit 150 Arbeitsplätzen ins GVZ Wustermark, 2014 folgte die Bremer Lagerhausgesellschaft (BLG) in Falkensee, 2018 mit einer zweiten Ansiedlung. 2017 eröffnete dm-drogerie markt in Wustermark eines der modernsten Verteilzentren der Branche und erhielt 2020 den Deutschen Logistikpreis. Der Ausbau geht weiter. dm errichtet in Wustermark für über 200 Millionen Euro ein hochautomatisiertes Kleinteileverteilzentrum. Nach Angaben des Unternehmens war der Baubeginn für Anfang 2026 vorgesehen, die Inbetriebnahme für 2029. In Brieselang sichert sich Edeka die Fläche für sein künftig größtes Logistikzentrum. Geplant sind laut Gemeinde Brieselang bis zu 1000 Arbeitsplätze auf rund 75 Hektar. Der Baubeginn ist für 2027 vorgesehen, die Inbetriebnahme für 2030/31. Vom Rangierbahnhof bis zur AugenoptikNeben der Logistik prägt die Bahntechnik den Kreis. Die Havelländische Eisenbahn AG betreibt mit dem Rangierbahnhof Wustermark nach WFBB-Angaben den größten privat geführten Bahnhof Deutschlands. Auf dem Areal entsteht der BahnTechnologie Campus Havelland. Nach Angaben des Campus flossen im November 2025 fünf Millionen Euro Bundesmittel in die Forschung, im August 2026 lief die Ausschreibung für den Betreiber einer Bildungsakademie. 2020 baute der Schweizer Hersteller Stadler in Schönwalde-Glien eine Drehgestell-Produktion mit Logistikzentrum – verbunden mit 21,5 Millionen Euro Investitionen und 60 Arbeitsplätzen. Dazu kommt eine breite Industrie: Rathenow als Zentrum der augenoptischen Industrie, das Medizintechnikunternehmen OHST, der Filterspezialist Blücher in Premnitz mit 75 Beschäftigten sowie Firmen wie Vogt Plastic, Jacobi Carbon, Wirthwein, ADM Wild und Panther-Display. Neu hinzu kommt digitale Infrastruktur: In Nauen begann laut Stadtverwaltung im März 2026 der Bau eines Umspannwerks für einen Rechenzentrumscampus des Betreibers maincubes, ausgelegt auf 200 Megawatt und Anwendungen wie Künstliche Intelligenz. Wo die Wirtschaft im Havelland an Grenzen stößtRückenwind kommt auch von außen. Im Regionalranking des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) 2026 zählt das Havelland laut WFBB zu den Gewinnerregionen; der Kreis sei im Vergleich zu 2016 um mehr als 25 Plätze aufgestiegen. Das IW verglich dafür nach eigenen Angaben rund 400 Landkreise und kreisfreie Städte nach Wirtschaftsstruktur, Arbeitsmarkt und Lebensqualität. Brandenburg gilt dem Institut zufolge seit 2016 als „Aufsteiger-Bundesland“, fast 80 Prozent der Regionen hätten sich verbessert. Wo die Wirtschaft im Havelland an Grenzen stößtBei allem Wachstum gibt es auch eine andere Seite. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit lag das mittlere Bruttojahresentgelt im Havelland Ende 2024 bei 3107 Euro im Monat – unter dem Brandenburger Wert von 3402 Euro und deutlich unter Berlin mit 4198 Euro. Im Agenturbezirk Neuruppin war es der Landkreis mit dem niedrigsten mittlere Bruttojahresentgelt. Beschäftigungsaufbau und Lohnniveau verlaufen also nicht automatisch parallel. Auch räumlich ist der Kreis geteilt. Große Gewerbestandorte konzentrieren sich laut Kreisverwaltung im Berliner Umland und auf der Achse Rathenow–Premnitz. Die Region Havelland-Fläming wächst nach Angaben der Regionalen Planungsgemeinschaft vor allem in den Berliner Umlandgemeinden, während der ländliche Raum mit Alterung und künftig rückläufiger Bevölkerung umgehen muss. Lesen Sie mehr zum Thema