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„Der Öl-Preis wird noch monatelang angespannt bleiben“

Die Welt atmet auf, und die Wirtschaft mit ihr. Die lang ersehnteEinigung zwischen den USA und dem Iranbringt nämlich nicht nur geopolitisch etwas Ruhe. Sie sorgt auch auf den Rohstoffmärkten für Entspannung. . . .

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„Der Öl-Preis wird noch monatelang angespannt bleiben“

Die Welt atmet auf, und die Wirtschaft mit ihr. Die lang ersehnteEinigung zwischen den USA und dem Iranbringt nämlich nicht nur geopolitisch etwas Ruhe. Sie sorgt auch auf den Rohstoffmärkten für Entspannung. Allen voran beim Öl, wie sich am Montag zeigte. Der Preis für die globale Referenzsorte Brent mit Lieferung im August fiel um knapp fünf Prozent auf 83 Dollar je Barrel (159 Liter) – das ist der tiefste Stand seit dem 10. März. Eine ähnliche Dynamik zeigt sich bei der US-Sorte WTI. Nach Beginn des Krieges Ende Februar war der Brent-Preis, der zuvor lange unter 70 Dollar gelegen war, auf zwischenzeitlich mehr als 120 Dollar hochgeschnellt, weil der Iran die Meerenge von Hormuz, über die ein Fünftel des globalen Öl- und Flüssiggastransports fließt, geschlossen hatte. Und jetzt? Wird sich das Öl schnell weiter verbilligen – und damit auch die Spritpreise?Man solle sich keinen Illusionen hingeben, sagt JohannesBenigni, Chef der internationalen Energieberatungsfirma JBC Vienna, auf Anfrage der „Presse“: „Zumindest in den nächsten drei Monaten wird es immer wieder zu Störungen im Warenverkehr kommen. Und selbst wenn die Straße von Hormuz nun offen bleibt, wird der Preis in einer Spanne zwischen 70 und 80 Dollar bleiben müssen. “Mehr dazuPolitische UnwägbarkeitenSchon das Rahmenabkommen, das am Freitag formell unterzeichnet wird und allemal als Durchbruch gilt, ist für sich alleinkein schneller Garant für Ruhe in der Region. So hat Israels MinisterpräsidentBenjamin Netanjahulaut Zeitung Maariv DonaldTrumpmitgeteilt, dass Israel sich nicht an das Abkommen gebunden fühle und die israelischen Streitkräfte sich – entgegen dem Abkommen – nicht aus dem Südlibanon zurückziehen werden. „Es bleiben einige Unwägbarkeiten und offene Fragen“, schrieb der Finanzanalyst Yannik Mosbach vom Bankhaus Metzler. Handelstechnische AspekteIst die politische Dimension unwägbar, so ist die wirtschaftliche und handelstechnische immerhin so klar, dass sie keine Illusionen über tief sinkende Rohstoffpreise zulässt. „Es wird dauern, bis die gestörten Lieferketten wieder funktionieren und die entleerten Öllager wieder aufgefüllt sind“, sagt Benigni. Das bestätigt auch das Gros der von der NachrichtenagenturBloombergbefragten Analysten, deren Einschätzung nach eine Rückkehr zur Normalität noch Monate auf sich warten lassen könnte. Die Wiederherstellung des Vertrauens bei Reedern, Versicherern und Raffinerien werde sich nämlich hinziehen. Dazu kämen Minenräumung und die Überlastung der Häfen. Viele Käufer hätten sich zudem bereits auf die Störungen eingestellt, indem sie sich alternative Lieferquellen und Routen gesichert hätten. „Auch wenn der Markt auf die Schlagzeilen zur Öffnung der Straße von Hormuz positiv reagiert, dürfte die operative Realität chaotischer aussehen“, sagte Charu Chanana, Chef-Anlagestratege bei Saxo Markets. , zu Bloomberg. Mehr dazuBeispiellose SituationWie der Weltmarkt vor dem Iran-Krieg keine Erfahrung mit einer Lieferstörung dieses Ausmaßes hatte, so hat er eben auch keine mit der Aufhebung der Störung. Noch nie zuvor nämlich war die Straße von Hormuz völlig geschlossen gewesen. Die Verwerfungen durch den Iran-Krieg hatten zu einem kumulativen Versorgungsausfall von einer Milliarde Barrel geführt, schrieb dieInternationale Energieagentur(IEA) bereits Mitte Mai: Pro Tag sind das etwa 14 Millionen Barrel bzw. 13,5 Prozent des globalen Tagesverbrauchs. Selbst wenn der Krieg rasch ende, würden dem Markt laut IEA im Gesamtjahr 2026 ganze 3,9 Millionen Barrel pro Tag fehlen. Verblüffende DynamikAngesichts dieser Tatsache sind Experten schon seit Längerem erstaunt, dass der Ölpreis, der gemeinhin die Kontrakte für künftige Lieferungen in zwei, drei Monaten abbildet (Futures), in den vergangenen Monaten nicht noch weitaus mehr hochgeschossen war. Der an der Börse ausgehandelte Spotpreis für kurzfristige Lieferungen war nämlich zwischenzeitlichsehr wohl auf den Rekordwert von 145 Dollar je Barrel explodiert. Es seien vier Faktoren, die den Futures-Preis trotz dieser historischen Ausnahmesituation im Rahmen gehalten haben, erklärt Experte Benigni: Die Freigabe von 400 Millionen Barrel an Notreserven durch die IEA, der Rückgriff auf die Lagerbestände insbesondere in den USA, die Marktmanipulation durch Donald Trump mittels wiederholter Ankündigungen eines Friedens und die Zurückhaltung der Chinesen. Die Rolle ChinasChinas Rolle ist in der Tat bemerkenswert: Aufgrund seiner hohen Reserven kaufte es um vier Millionen Barrel pro Tag weniger ein als üblich, was Druck vom Markt nahm und den Preis unterstützte. Nun aber kommen erste Befürchtungen auf: Wenn China aufgrund der Entspannung in Nahost wieder mehr einkaufe, könnte das die globalen Energiemärkte verknappen und die Inflation wieder anfachen, schreibt Bloomberg. China werde vermutlich besonnen vorgehen, erwartet Benigni: Aber dass der Ölpreis, der in den vergangenen Handelstagen aufgrund der Erwartung eines Friedensabkommens bereits stark gefallen war, unter die Spanne von 70 bis 80 Dollar falle, werde noch dauern. „Vielleicht in einem halben Jahr – oder später“.

Quelle: tennistv.com

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