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Europa fürchtet Öl-Schock: Warum die Hormus-Krise erst beginnt

Die Straße von Hormus bleibt blockiert, die Ölreserven schrumpfen. Experten warnen nun vor echten Versorgungsproblemen bei Diesel und Kerosin – mit Folgen für Verbraucher und Märkte.

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Europa fürchtet Öl-Schock: Warum die Hormus-Krise erst beginnt

Die Straße von Hormus bleibt blockiert, die Ölreserven schrumpfen. Experten warnen nun vor echten Versorgungsproblemen bei Diesel und Kerosin – mit Folgen für Verbraucher und Märkte. InhaltsverzeichnisEnergiekrise nimmt erst noch Fahrt aufOperatives Minimum ab SeptemberÖlmarkt bleibt auf Monate gestörtBeim Kerosin ist Deutschand abhängigAuswirkungen auf VerbraucherIn Brüssel wächst jetzt dieSorge um die Straße von Hormus. Die Energiekrise „trifft Europas Wirtschaft, sie trifft Unternehmen, sie trifft die Bürger“, sagt Europa-Energiekommissar Dan Jorgensen zum „Handelsblatt“. Bei einzelnen Produkten, darunter Kerosin und eventuell Diesel, sollen „echte Versorgungsprobleme“ entstehen, wenn der Konflikt „nicht sehr bald endet“. In den Industriestaaten gehen die Reserven zur Neige. Energiekrise nimmt erst noch Fahrt aufWas europäische Verbraucher derzeit spüren, ist noch eine harmlosere Version der Energiekrise, aber der Markt stößt langsam an seine Grenzen. „Bislang konnten die ärgsten Auswirkungen des Irankriegs auf die Ölmärkte abgefedert werden“, erklärt Frederic Lasserre, Chefanalyst beim Rohstoffhändler Gunvor, im Gespräch mit dem „Handelsblatt“. Unter anderem hatte die Wirtschaft noch von vorhandenen Reserven gezehrt. Die G7-Staaten hatten Millionen Tonnen Öl aus der Notfallreserve freigegeben. Außerdem hatten die Ölförderregionen Afrika und USA mehr Öl exportiert als üblich. Die USA hatten sich zu einem „weltweiten Lieferanten der letzten Instanz“ entwickelt, hieß es bei „Bloomberg“. So sprang das Land zwar in der weltweiten Ölversorgung ein, dafür aber schrumpfen die Reserven des Landes „auf ein Niveau unterhalb des historischen Durchschnitts“. Laut Regierungsdaten sind die US-Rohölbestände einschließlich der strategischen Ölreserve nun vier Wochen lang in Folge gesunken. ANZEIGEBei den Destillaten soll der Bestand jetzt so niedrig sein wie seit 2005 nicht mehr. Benzin steht auf dem niedrigsten Niveau seit 2014. Wenn die USA ihr Öl zurückhalten, um den Eigenbedarf zu decken, fehlt dieses Öl auf dem Weltmarkt und die Krise verschärft sich zusätzlich. Öl-Vorräte gehen zur NeigeDie USA sind dabei nur ein Beispiel für eine Entwicklung, die auch andere Industriestaaten wie Deutschland betrifft. Experten gehen davon aus, dass die weltweiten Ölvorräte täglich um bis zu zwölf Millionen Barrel (ein Barrel sind 159 Liter) schrumpfen. Die Welt verbraucht 9,6 Millionen Barrel mehr am Tag, als produziert wird. Laut Natasha Kaneva von JPMorgan Chase & Co. braucht das System ein bestimmtes Mindestniveau an Öl, um zu funktionieren. Das sogenannte „operative Minimum“ kann dabei schon erreicht sein, lange bevor die Lagerbestände tatsächlich leer sind. Davor ist das „operative Stresslevel“ die erste Grenze, die erreicht wird. Nach aktuellem Stand kann das im Juni der Fall sein. Zwischen September und Oktober dann droht der Markt am „operativen Minimum“ zu stehen. Das wäre der Zeitpunkt, zu dem die Welt nur noch das Minimum an Öl zur Verfügung hat, das benötigt wird, um Pipelines, Lagertanks und Export-Terminals zu betreiben. Hormus-Krise wirkt lange nachHinter alldem steht die De-Facto-Sperrung der wichtigen Wasserstraße von Hormus. Üblicherweise werden über sie etwa 25 Prozent der weltweiten Öllieferungen abgewickelt. Beim Gastransit spielt sie ebenfalls eine wichtige Rolle. Seit Ende Februar greift der Iran Frachtschiffe an, die die Straße ohne seine Erlaubnis passieren. Zugleich blockieren die USA die Ausfahrt aus der Straße für Schiffe, die die iranischen Zölle bezahlen. Das hat dazu geführt, dass Hunderte Schiffe zu beiden Seiten der Straße festsitzen. Trotz der Sperre befanden sich noch Tankschiffe auf See und konnten ihre Ziele innerhalb der letzten Wochen anfahren. Auch das trug dazu bei, dass die wirkliche Störung noch gar nicht wirklich ankam. Gleichzeitig steht schon jetzt fest, dass auch eine sofortige Öffnung der Straße keine schnelle Erholung für die Krise bringt. Die Schiffe müssen erst wieder losfahren und ihre Zielländer erreichen. Selbst das Anfahren kann eine ganze Weile lang dauern. Viele Schiffe haben ihre Crews nach Hause fliegen lassen, und die müssten im Falle einer Öffnung erst wieder zurück in den Persischen Golf gelangen. „Wenn Handelsströme durch die Straße von Hormus sofort wieder anlaufen, wird es mehrere Monate brachen, bis der Ölmarkt sich ausbalanciert“, sagte Saudi-Aramco-CEO Amin Nasser zu „Bloomberg“. Sollte der Handel dagegen noch gestört bleiben, können die Engpässe bis 2027 bestehen. Europa ist strukturell unterversorgtDie Krise trifft Europa und Deutschland vor allem darum, weil die Golfstaaten vorrangig an China liefern. China kauft sein Öl nun mehr im Wettbewerb mit dem Westen. Es kam bereits vor, dass China schon auf See befindliche Ladungen durch pures Überbieten umgeleitet hat. „Deutlich angespannter ist die Lage bei Mineralölprodukten, da Europa hier strukturell unterversorgt ist“, sagt Kevin Schäfer, Geschäftsführer Argus Media Deutschland, dazu. Die Raffineriekapazitäten in Deutschland und Europa reichen angeblich nicht aus, um den Bedarf an Produkten wie Diesel und Kerosin vollständig zu decken. Daher sind sie von Importen abhängig. Hormus-Krise macht Tanken teurerExperten gehen aktuell davon aus, dass der Ölpreis zunächst steigt, um die Nachfrage etwas einzudämmen. Erst danach folgen Versorgungsengpässe. Am Montag stieg derRohölpreislaut Trading Economics auf knapp 98 US-Dollar pro Barrel. Das hat auch Auswirkungen auf Verbraucher: Am deutlichsten merken es Autofahrer an den Tankstellen. Steigt der Rohölpreis, wird jedeTankfüllungteurer. Was das genau heißt, kann ein Rückblick auf 2022 zeigen. Damals hatte der Liter Rohöl 116 US-Dollar pro Barrel gekostet – im langfristigen Verlauf ein Rekord. Laut dem ADAC stiegen die Preise für den Liter Super E10 auf 2,06 Euro. Diesel kostete im Mai 2022 2,03 Euro. Auch die Strompreise werden teilweise von Öl- und Gaslieferungen beeinflusst. In der Vergangenheit war es jedoch so, dass es nach einem deutlichen Anstieg der Rohstoffpreise einige Monate lang dauert, bis das bei den Heiz- und Stromkosten ankommt.

Quelle: kurse.focus.de

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